Düsseldorf – Nach dem Aus für das deutsch-französische Kampfjet-Projekt FCAS gerät nun auch das nächste große Rüstungsvorhaben ins Wanken: Beim gemeinsamen Panzerprojekt MGCS wächst die Unsicherheit. Rheinmetall-Chef Armin Papperger warnt, Frankreich könnte sich auch aus diesem Programm zurückziehen. „Eine Gefahr ist immer da, aber es ist noch nichts entschieden“, sagte er der WELT am Sonntag (gehört wie BILD zu Axel Springer).
Hinter den Kulissen brodelt es gewaltig. Frankreich plane offenbar, das Budget für das Projekt MGCS (Main Ground Combat System) drastisch zu kürzen. Im Gespräch sei ein Betrag „von weniger als der Hälfte“ der bisherigen Planungen, sagte Papperger der Zeitung. „Wir haben null Entscheidungen über das finale Budget.“
Gegenseitiges Misstrauen der Panzerbauer
Ein Sparkurs hätte deutliche Folgen: Leistungen müssten gestrichen werden und das ohnehin langsame Projekt würde sich weiter verzögern. „Wenn man weniger Geld zur Verfügung hat, wird man nicht schneller, und wir sind jetzt schon sehr langsam“, sagte er. Besonders brisant: In fast zehn Jahren sind bislang nur rund 25 Millionen Euro in das Programm geflossen – für ein Rüstungsprojekt dieser Größe „natürlich sehr wenig Geld“.
Das Panzerprojekt soll eigentlich die Nachfolge der Panzer Leopard 2 (Deutschland) und Leclerc (Frankreich) werden. Doch das wackelt jetzt – in der Branche ist längst von gegenseitigem Misstrauen die Rede. Der Vorwurf hinter vorgehaltener Hand: Die Franzosen haben versucht, sich Know-how zu sichern, um am Ende doch nationale Lösungen zu bauen.
Leopard 3 könnte Lücke füllen
Steht Deutschland also ohne neuen Kampfpanzer da, wenn der Leopard 2 in den 2030ern ausläuft? Nein. Parallel läuft bereits ein Plan B: Rheinmetall und KNDS Deutschland entwickeln den „Leopard 3“ als mögliche Übergangslösung. Einsatzreife hat der allerdings frühestens Anfang der 2030er Jahre.
Erst am Dienstag verkündeten Bundeskanzler Friedrich Merz (70, CDU) und Emmanuel Macron (48) nach langen Querelen das Aus für das milliardenschwere Kampfjet-Projekt. Die Unternehmen Dassault Aviation und Airbus hatten sich zuvor in den Verhandlungen nicht auf eine gemeinsame Linie einigen können.