Dessau – Auf dem Parteitag der CDU Sachsen-Anhalt im Dessauer „Hugo-Junkers-Saal“ soll es an diesem Samstag eigentlich um das „Regierungsprogramm“ für die Landtagswahl am 6. September gehen. Doch an den Stehtischen, auf den Fluren und zwischen den Delegierten dreht sich vieles vor allem um ein Foto.
Das zeigt AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund (34) und CDU-Landtagsfraktionschef Guido Heuer (59) am vergangenen Donnerstag bei einem Wahlforum in Halberstadt. Siegmund reicht Heuer lachend ein Mikrofon. Heuer hat den Arm um die Schulter seines politischen Gegners gelegt. Ein Schnappschuss, der mitten im Wahlkampf Fragen zur Abgrenzung der CDU nach rechts aufwirft.
Spricht man Delegierte darauf an, folgt fast immer derselbe Sound: Eine Zusammenarbeit mit der AfD werde es nicht geben. „Wir wollen das Ding am 6. September gewinnen“, sagt ein CDU-Mann aus Anhalt-Bitterfeld. Die Wahl wolle man aus eigener Kraft entscheiden.
Heuer: Foto zeigt „klare Konfrontation“
Heuer selbst weist auf BILD-Nachfrage jeden Eindruck einer politischen Annäherung entschieden zurück. Auf das Foto angesprochen, sagt er: „Es war eine klare Konfrontation, keine Verbrüderung.“ Bei der Diskussion habe AfD-Mann Siegmund „falsche Tatsachen ausgesprochen“. Deshalb habe er ihm „quasi das Mikro aus der Hand genommen“ und widersprochen. Dass Siegmund dabei lächle, ändere nichts am Charakter der Szene. Heuer: „Es war eine klare Konfrontation, während Siegmund lächelt.“
An seiner politischen Linie halte er fest. Den Begriff „Brandmauer“ lehnt Heuer zwar ab, verweist aber auf die seit Jahren geltende CDU-Linie in Sachsen-Anhalt: „Abgrenzen, aber nicht ausgrenzen.“ An den Unvereinbarkeitsbeschlüssen der Partei werde nicht gerüttelt.
Schulze ignoriert die AfD
Sein Ministerpräsident und Spitzenkandidat, Sven Schulze (46), vermied das Thema AfD in seiner Parteitagsrede dagegen komplett. Statt über den Konkurrenten rechts der CDU zu sprechen, beschwor er den Zusammenhalt der Partei und verwies auf Umfragen, nach denen viele Sachsen-Anhalter ihn weiter als Regierungschef sehen wollen. Er wolle sich nicht an einem Wettbewerb beteiligen, bei dem Parteien übereinander herziehen. Stattdessen solle bis zur Wahl sichtbar werden, wer nur Show liefere – und wer tatsächlich Politik für das Land mache.