Washington – US-Präsident Donald Trump (79) will im Eiltempo wichtige Tiefsee-Messstationen demontieren lassen, die seit 2016 in Betrieb sind und für die Wissenschaft wertvolle Daten liefern. Betroffen sind Stationen vor den US-Bundesstaaten Alaska, Washington, Oregon und North Carolina, außerdem südöstlich von Grönland. Die Messeinrichtungen sind Teil eines gigantischen 386-Millionen-Dollar-Projekts. Wissenschaftler sind besorgt. Eigentlich war ein Betrieb über drei Jahrzehnte vorgesehen – nun sollen die Stationen innerhalb von 15 Monaten abgebaut sein.
Das Netzwerk namens Ocean Observatories Initiative (OOI) nutzt rund 900 Instrumente, um Parameter wie Temperaturen, chemische Veränderungen, Strömungen und Sauerstoffgehalte in der Tiefe zu messen. Experten in den USA und weltweit sind auf diese Messwerte angewiesen. Auch für Fischerei, Schifffahrt, Wettervorhersagen und den Schutz vor Küstenüberflutungen sind die Aufzeichnungen wichtig. Die Ozeane sind im Wandel: Rekordtemperaturen, ausbleichende Korallen, steigende Pegel. Wärmere Ozeane tragen zu intensiveren tropischen Stürmen bei.
Forschung fürchtet Verlust von Fachwissen
Gleichzeitig pumpt die Trump-Regierung 700 Millionen Dollar in die Kohleindustrie. Trump leugnet den menschengemachten Klimawandel und versprach im Wahlkampf, fossile Brennstoffe stärker zu fördern. Seit seinem Amtsantritt hat seine Regierung zahlreiche Umweltvorschriften abgeschafft und Klimaschutzauflagen gelockert oder zurückgezogen.
Besonders groß ist die Sorge um die atlantische Umwälzströmung (AMOC), ein mächtiges Stromsystem, das Wetter und Klima weltweit beeinflusst. Wissenschaftler nutzen OOI-Messwerte, um besser zu verstehen, wie sich dieses System verändert. Eine wachsende Zahl von Studien deutet darauf hin, dass die AMOC noch in diesem Jahrhundert kollabieren könnte.
Stefan Rahmstorf, Professor für Ozeanphysik an der Universität Potsdam, sagte gegenüber CNN, die kontinuierliche Beobachtung der Meere sei gerade jetzt entscheidend. Ozeanografen weltweit seien sehr besorgt über bevorstehende drastische Veränderungen bei den Meeresströmungen. Umweltwissenschaftlerin Hilary Palevsky vom Boston College sagte laut „New York Times“, die Messungen an den Standorten seien eine enorme technische Herausforderung. Viel Fachwissen könnte verloren gehen. Mitarbeiter könnten nicht einfach ihre Aufzeichnungen hinterlassen, damit jemand anderes die Arbeit irgendwann fortsetzt.
Initiative soll nicht komplett enden
Die Ocean Observatories Initiative wird von der National Science Foundation (NSF) finanziert, einer unabhängigen US-Bundesbehörde. In einer Stellungnahme kündigte die NSF an, dass die Initiative nicht komplett eingestellt werde. Das Netzwerk solle auf absehbare Zeit betriebsbereit bleiben. Gleichzeitig rief sie die Forschungsgemeinschaft auf, die über mehr als zehn Jahre gesammelten Informationen weiter in Vorschlägen, Publikationen und Präsentationen zu nutzen. Das Weiße Haus hat sich auf Anfrage von US-Medien bislang nicht zu den Vorgängen geäußert.