Berlin – Ist an diesem Gerücht etwas dran? Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) soll beim Mega-Stromausfall Anfang Januar gar nicht in Berlin gewesen sein. Ostsee, Werder, Sylt, Spreewald – diese Ortsnamen wabern durch Berlin. Doch nun widerspricht die Polizei der Unterstellung. Polizeivizesprecher Jörn Öffeländer bestätigte BILD, dass Wegner zu Hause war – bis auf die bekannte Stunde beim Tennis und Gassigehen. „Das haben die Objektschützer, die tagsüber vor seinem Haus standen, versichert“, so Öffeländer.
Am Vormittag des ersten Blackout-Samstags hatte Wegner nicht telefoniert, sondern nur Textnachrichten auf dem Handy verschickt. Das hatte er in Interviews aber zunächst anders dargestellt, was bundesweit für Empörung sorgte. Im März korrigierte sich Wegner in BILD. Erst am Mittag des 3. Januar habe er auch in Telefongesprächen konferiert – nachdem so langsam die Dimensionen der betroffenen Haushalte und die Dauer des Stromausfalls deutlich wurden.
Trotzdem sorgen die Textnachrichten jetzt – obwohl bekannt – für Rücktrittsforderungen. An der Basis werden Unterschriften unter einem offenen Brief gegen Kai Wegner gesammelt. Darin wird er zum Doppel-Verzicht auf Bürgermeisteramt und Spitzenkandidatur aufgefordert. Zu den Unterzeichnern zählen Thorsten Alsleben (Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft), Christian Miele (Unternehmer), Michael von Foerster (Verband der deutschen Rauchtabakindustrie), Christof Hasenburg (Schatzmeister CDU Dahlem).
Offener Brief fordert Wegners Rückzug
Entscheidend wird für Wegner heute eine Krisen-Sitzung mit den zwölf Kreisvorsitzenden ab 18.30 Uhr. Obwohl es Unruhe wegen der schlechten Umfragewerte für die Hauptstadt-CDU gibt (CDU rutschte ab auf 17 Prozent), sieht es nicht nach einer Mehrheit für einen Putsch aus. Vor allem, weil es so kurz vor der Berlin-Wahl (20. September) keine Alternative gibt.
Zwar wäre ein Austausch formal nach dem Wahlrecht noch möglich – und zwar dann, wenn der neue Spitzenkandidat bereits als Abgeordneter kandidiert. Zu erwarten ist aber eher, dass sich die CDU-Spitze zusammenrauft, damit Berlin bei der nächsten Wahl nicht nach links abdriftet. Denn zuletzt führten Linke und Grüne im Umfrage-Ranking.