Moskau – Das muss man erst mal schaffen! Während russische Geheimdienste vor westlichen Hackern warnen, haben Soldaten des 143. Gardemotorregiments der russischen Armee ihre Geheimnisse gleich selbst ins Internet gestellt. Wie das unabhängige russische Medium ASTRA berichtet, wurden fast ein Jahr lang in einem öffentlichen Telegram-Chat geheime Daten und Informationen der Russen-Armee veröffentlicht. Der Name der Gruppe: „Blyadskaya Organizatsiya“ – auf Deutsch etwa: „Scheiß-Organisation“.
Und der Name war offenbar Programm: Laut ASTRA fanden sich in der Gruppe täglich Links zu internen Videokonferenzen für Stabschefs und Führungsoffiziere des 143. Gardemotorregiments. Doch das war längst nicht alles: Auch geheime Soldatenlisten, Munitionsanträge, Daten zu Überwachungssystemen, Logins, Passwörter und sogar Zugangsdaten für Drohnen-Streams sollen dort veröffentlicht worden sein. Mit den Zugangsdaten für die Drohnen-Streams konnte jeder die Lage an der Front live verfolgen.
Russischer Tarnungsplan wird selbst enttarnt
Doch damit nicht genug. Laut ASTRA landeten sogar interne Dokumente des Stabs der russischen 5. Armee in der Gruppe. Darin ging es unter anderem um Verluste, Versorgungsprobleme und geheime Tarnungspläne für den Raum Vremivka. Der Plan: Mit Fake-Stellungen und vorgetäuschtem Truppenbetrieb sollte die ukrainische Aufklärung getäuscht werden. Die Pointe: Während man den Gegner in die Irre führen wollte, veröffentlichte man die Anweisungen gleich selbst – ungefähr so, als würde ein Zauberer vor seiner Show die komplette Trickanleitung verteilen.
Tarnnamen für ukrainische Flüsse
Als Bonus soll die Gruppe laut ASTRA sogar interne Code-Bezeichnungen für Flüsse in den Regionen Saporischschja und Donezk enthalten haben. So wurde aus der „Werchnjaja Tersa“ die „Angara“, aus dem „Gaychur“ die „Wolga“, aus den „Mokri Yaly“ die „Newa“ und aus dem „Yanchur“ der „Jenissei“. Die ukrainischen Flüsse würden also durch Tarnnamen russischer Flüsse ersetzt. Diese sollten bei Audio- und Videoverbindungen genutzt werden, so die Anordnung.
Plötzlich wurde jemand misstrauisch
Fast ein Jahr lang war der Chat laut ASTRA öffentlich. Erst Ende April wurde ein Administrator misstrauisch, weil plötzlich fremde Nutzer der Gruppe beitraten. Seine Reaktion wirkt heute wie unfreiwillige Komik: „Wer tritt bei, wer sind sie? Zu welchem Zweck sind sie hier?“ Kurz darauf folgte die Warnung: „SICHERHEIT IST AM WICHTIGSTEN.“ Seit dem 4. Mai wird die Gruppe nicht mehr aktualisiert.