Kiew/Minsk – Die Drohung gegen Minsk hat Wirkung gezeigt! Belarus hat laut Wolodymyr Selenskyj (48) die Relaisstationen abgeschaltet, die russischen Kampfdrohnen bei Angriffen auf die Ukraine helfen sollen. Für das kriegsgeplagte Land ist das mehr als nur eine technische Meldung – es könnte ein seltenes Zeichen sein, dass eine harte Warnung an den Kreml-Verbündeten Belarus nachhaltig war.
Noch vor wenigen Tagen hatte der Ukraine-Präsident der Führung in Minsk und Diktator Alexander Lukaschenko öffentlich ein Ultimatum gestellt. „Wenn er das nicht macht, machen wir es“, sagte Selenskyj. Die Botschaft: Schaltet die Anlagen ab – oder die Ukraine wird selbst aktiv werden. Damit drohte Kiew erstmals offen mit Angriffen auf Ziele in Belarus.
Nun erklärt Selenskyj, seit dem 22. Juni seien die betreffenden Stationen nicht mehr in Betrieb. Ob die Anlagen tatsächlich demontiert wurden oder lediglich abgeschaltet sind, könne er jedoch nicht sagen.
Belarus zwischen den Fronten
Die Entwicklung zeigt die heikle Lage des autoritär regierten Belarus. Machthaber Alexander Lukaschenko gilt als engster Verbündeter von Kreml-Despot Wladimir Putin. Seit Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine stellt Minsk sein Territorium immer wieder für russische Militäraktivitäten zur Verfügung.
Gleichzeitig versucht Lukaschenko seit Monaten, eine direkte Beteiligung belarussischer Truppen am Krieg zu vermeiden. Beobachter sehen darin den Versuch, das eigene Land nicht noch tiefer in den Konflikt hineinzuziehen.
Sollte Minsk die Relaisstationen tatsächlich auf ukrainischen Druck hin abgeschaltet haben, wäre das ein bemerkenswerter Vorgang. Er würde zeigen, dass Belarus trotz seiner engen Bindung an Moskau eigene Risiken abwägt – insbesondere die Gefahr, selbst zum Ziel ukrainischer Angriffe zu werden.
Wichtige Rolle im Drohnenkrieg
Relaisstationen können bei der Steuerung und Navigation von Drohnen eine entscheidende Rolle spielen. Im modernen Drohnenkrieg sind solche Anlagen oft ebenso wichtig wie die Drohnen selbst. Werden sie ausgeschaltet, können Reichweite, Zielgenauigkeit oder Einsatzmöglichkeiten erheblich eingeschränkt werden.
Bei den von Selenskyj erwähnten Anlagen geht es vermutlich um Kommunikations- oder Funkrelais, die russische Drohnen bei Einsätzen gegen die Ukraine unterstützen. Dadurch können Drohnen möglicherweise über größere Entfernungen gesteuert werden oder eine stabilere Verbindung zu ihren Operatoren halten. Ob die russischen Streitkräfte durch den Ausfall der Anlagen tatsächlich beeinträchtigt werden, ist derzeit jedoch unklar.
Unabhängige Bestätigung fehlt
Bislang gibt es keine weitere Bestätigung für Selenskyjs Angaben. Weder die belarussische Führung noch russische Stellen haben sich öffentlich zu dem Vorgang geäußert. Auch die Nachrichtenagentur Reuters konnte die Aussagen zunächst nicht verifizieren.
Fest steht jedoch: Der Vorfall macht deutlich, wie sehr sich der Krieg inzwischen über die eigentlichen Frontlinien hinaus ausdehnt. Nicht nur Soldaten und Waffen geraten ins Visier, sondern auch technische Infrastruktur in Nachbarstaaten – und damit die Länder, die Russlands Krieg indirekt unterstützen.