Die amerikanische Schauspielerin Anne Hathaway hat in dieser Woche offenbart, dass sie ein Kind erwartet. In sozialen Medien wurde ihre Enthüllung vielfach als Ermutigung zum Aufschieben gefeiert. Wenn Hathaway mit 43 ein Kind bekommen könne, dann könne man sich ja auch noch Zeit lassen. Offenbar sei in diesem Alter noch alles möglich.
Es gibt allerdings ein paar Gründe, warum Hathaway nur bedingt als Leitfigur für Menschen in den Zwanzigern oder Dreißigern taugt. Zum einen ist es ihr drittes Kind. Sie hat sich also schon deutlich früher zur Fortpflanzung entschlossen und vervollständigt jetzt nur ihre Familie. Bei einer Frau, die schon zwei Kinder bekommen hat, ist auch die Wahrscheinlichkeit, im fortgeschrittenen Alter schwanger zu werden, größer als bei Frauen, die erstmals die Mutterschaft anstreben. Zum anderen können sich die wenigsten Menschen die medizinische Betreuung leisten, die einem Hollywoodstar zur Verfügung steht. Und nötiger wird sie mit jedem Lebensjahr.
Für die Gesellschaft ist die Neigung, das Kinderkriegen endlos aufzuschieben, ohnehin ein Fluch. Wenn die Geburtenraten heute in Deutschland und den meisten Industriegesellschaften so niedrig sind wie nie, dann liegt das daran, dass gerade gebildete junge Frauen immer später die Neigung zur Mutterschaft verspüren. Von diesen gebildeten Frauen gibt es immer mehr, und man hat ihnen eingeredet, es sei freiheitlicher, als Arbeitskräfte und Konsumenten den Kapitalismus am Laufen zu halten, statt eine Familie – die autonomste gesellschaftliche Organisationsform – zu gründen. Und wer spät das erste Kind bekommt, bei dem werden weitere Kinder weniger wahrscheinlich. Anne Hathaway ist in diesem Sinne tatsächlich ein Role Model – aber eines, das die Vorteile der frühen Mutterschaft zeigt.
Der Staat, dessen Interessen hier nicht mit den Interessen des Kapitalismus deckungsgleich sind, müsste massiv Frauen fördern, die sich früh ein Kind wünschen. Idealerweise würde man sie dazu ermuntern, die ersten Kinder während ihres Studiums zu bekommen. Denn wie es eine dem Autor bekannte Ärztin einmal auf den Punkt brachte: „Kein Studium ist so hart wie irgendein Beruf – nicht einmal das Medizinstudium.“
Naheliegendste Maßnahmen für eine mütterfreundliche Uni wären Betreuungsangebote, Lehrveranstaltungen in der Kita-Kernzeit, Konzentration der Vorlesungen und Seminare an wenigen verkehrsgünstigen Orten. Dazu könnte man beispielsweise kleine Räume innerhalb der Hörsäle schaffen, in denen eine Mutter stillen kann und ein unruhiges Kind nicht alle anderen stört. Finanzielle Unterstützung in der Gegenwart, Förderung bei der Wohnungssuche und attraktive Boni bei der Altersvorsorge für Frauen, die jung Mutter werden, könnten auch helfen. Und natürlich entsprechende Vorteile für junge Väter, die Verantwortung übernehmen.
Vor allem müsste man der jahrhundertelang gehegten schwarzen Legende, dass ein Kind ein unüberwindliches Ausbildungshindernis sei, eine massive Gegenpropaganda entgegensetzen. Was jetzt schon leicht sein sollte, weil es so nicht stimmt und weil – ceterum censeo – Beruf und Kind deutlich schwerer zu vereinbaren sind. Und was erst recht nicht mehr gelten würde, wenn die skizzierten Maßnahmen kämen.