Belgrad – Sie gingen auf die Straße, protestierten gegen Korruption und forderten einen politischen Neuanfang. Jetzt haben sie einen überraschend deutlichen Wahlsieg eingefahren! Die oppositionelle Studentenliste (SL) kam bei der vorgezogenen Parlamentswahl in Serbien auf 52 Prozent der Stimmen. Die Serbische Fortschrittspartei (SNS) von Langzeitherrscher Aleksandar Vučić (56) muss sich mit 39 Prozent der Stimmen geschlagen geben. Doch wer steckt eigentlich hinter der Studentenliste? Und wer könnte künftig Serbien regieren?
Entgegen dem Namen steht auf der Studentenliste kein einziger Student. Stattdessen geben Professoren und Dozenten den Ton an: Mit 116 Vertretern stellen sie die größte Berufsgruppe. Dahinter folgen Ingenieure und Architekten (21), Mediziner (19) und Juristen (19). Die Bewegung verzichtet auf klassische Führungsgremien und setzt auf basisdemokratische Versammlungen. Mit einem Elf-Punkte-Programm verspricht die Liste, Rechtsstaat und Demokratie wiederherzustellen und Korruption sowie Kriminalität konsequent zu verfolgen.
Vučićs gescheiterter Plan
Für Vučić ist die Niederlage ein schwerer Rückschlag. Er prägte Serbiens Politik mehr als zwölf Jahre lang: Von April 2014 bis Mai 2017 war er Ministerpräsident, anschließend Staatspräsident. Am 27. September 2026 trat er vorzeitig zurück – rund acht Monate vor dem regulären Ende seiner zweiten Amtszeit.
Sein Plan: Als Staatspräsident hätte Vučić 2027 nicht für eine dritte Amtszeit kandidieren dürfen. Deshalb wollte er nach seinem Rücktritt bei der Parlamentswahl am 25. Oktober als Spitzenkandidat seiner Serbischen Fortschrittspartei (SNS) erneut Ministerpräsident werden. Doch der Wahlsieg der Studentenliste durchkreuzte diesen Plan.
Wer wird Serbiens neuer Ministerpräsident?
Doch wer wird Serbiens neuer Ministerpräsident? Angeführt wird die Studentenliste von Ilija Srdanović (56), einem Kardiologen aus Novi Sad. Auf Platz zwei steht Katarina Stanković (52), eine Fachärztin aus Belgrad-Neu-Belgrad. Den dritten Listenplatz belegt Željko Hubač (59), ein Dramaturg aus dem Belgrader Stadtbezirk Zemun.
Einen automatischen Anspruch auf das Amt des Ministerpräsidenten hat allerdings keiner der drei! Denn die Bewegung hat sich bislang nicht auf einen Kandidaten für den Posten des Regierungschefs festgelegt und will dies noch gemeinsam entscheiden. Da jedoch kein Student auf der Liste der gewählten Abgeordneten steht, wird auch kein Student neuer Ministerpräsident von Serbien.