Moskau/Kiew – Wo vor wenigen Wochen noch erbittert gekämpft wurde, soll jetzt laut Kreml die russische Flagge wehen. Moskau meldet die Einnahme der ostukrainischen Stadt Kostjantyniwka – einer der wichtigsten ukrainischen Festungen im Donbass. Eine unabhängige Bestätigung der russischen Angaben gibt es bislang nicht.
Kremlsprecher Dmitri Peskow (58) erklärte am Freitag, Kostjantyniwka sei „komplett eingenommen“ und stehe „vollständig unter unserer Kontrolle“. Russlands Präsident Wladimir Putin (73) habe mit der Armee über die Einnahme gesprochen, sagte Peskow weiter. Bereits im Juni hatte Putin erklärt, russische Truppen stünden kurz vor der Eroberung der Stadt.
Vor dem Krieg lebten rund 78.000 Menschen in Kostjantyniwka. Die Industriestadt gilt als wichtiger Verkehrsknotenpunkt auf dem Weg zu den letzten größeren Städten im Donbass, die noch von der Ukraine kontrolliert werden. Peskow erklärte zudem, Russland kontrolliere inzwischen die gesamte Region Luhansk, die zusammen mit Donezk den Donbass bildet – auch dafür gibt es bislang keine unabhängige Bestätigung.
Der Kampf um den Festungsgürtel
Kostjantyniwka galt lange als einer der wichtigsten Orte der ukrainischen Verteidigungslinien an der Ostfront. Gemeinsam mit Slowjansk und Kramatorsk bildete die Industriestadt den Kern des sogenannten Festungsgürtels, der den russischen Vormarsch im Donbass bremsen sollte. Sollte sich die russische Einnahmemeldung bestätigen, könnte Moskau den Druck auf die verbliebenen ukrainischen Großstädte in der Region weiter erhöhen.
Die Front rückte näher
Die russischen Streitkräfte hatten den Druck auf Kostjantyniwka in den vergangenen Monaten Schritt für Schritt erhöht. Die Stadt wurde von vorrückenden russischen Soldaten in die Zange genommen. Gleichzeitig wurde die Stadt fast täglich mit Gleitbomben, Artillerie und Drohnen angegriffen.
Bereits vor rund drei Wochen hatte sich die Lage dramatisch zugespitzt. Ukrainische Soldaten berichteten damals, russische Einheiten seien aus mehreren Richtungen vorgerückt und hätten versucht, die beiden wichtigsten Versorgungsstraßen abzuschneiden. Die Logistik geriet zunehmend unter Druck, Evakuierungen wurden immer schwieriger. Rund 2000 Zivilisten harrten damals trotz der heftigen Kämpfe noch in der weitgehend zerstörten Stadt aus.