Politik

Mail von Martenstein: Arbeit lohnt sich nicht

Mail von Martenstein: Arbeit lohnt sich nicht

Liebe Nadine Wagenaar,

Sie sind 35, haben studiert, leben ­allein und hatten einen Job als ­Content-Managerin. Nach fast drei Jahren wurde Ihnen auf fiese Weise gekündigt, per dreiminütigem ­Video-Call. Arbeitslosengeld: 1667 Euro.

Sie dachten: „Davon kann ich gut leben.“ Außerdem dachten Sie: „Ich hasse arbeiten.“ Das geht uns allen manchmal so, Nadine.

Sie begannen eine Karriere als Influencerin auf Instagram. Bald nannten Sie sich „InFaulencerin.“ Sie posteten über ihren Alltag aus Wellness, Jogging, Sushi­essen und Friseurbesuchen. Immer hatten Sie gute Laune. Einen Job wollten Sie eigentlich gar nicht mehr.

Bald hatten Sie 123.000 Follower.

Viele waren auf Sie wütend. Ich bin nicht wütend. Sie haben sich rational verhalten. Im Interview sagen Sie, dass der kleine Unterschied zwischen ihrem Netto und den 1667 Euro vom Staat Sie einfach nicht motiviere.

Leistung lohnt sich: Dieser Satz stimmt in Deutschland nicht, finden Sie. Da haben Sie wohl recht. Nicht Leute wie Sie sind das Problem. Wenn Arbeit sich nicht lohnt, kann es unvernünftig sein, zu arbeiten.

Inzwischen kommt kein Arbeitslosengeld mehr. Sie haben ein Buch geschrieben und beschreiben jetzt auf Instagram, wie Sie Millionärin werden. Mit Bücherschreiben?

Das ist möglich, aber schwierig. Schlimmstenfalls kriegt die ­InFaulencerin halt Bürgergeld.

Viel Glück! Ihr Harald Martenstein

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