Hannover – Sie wollte eigentlich nur einen schönen Tag mit ihrem kleinen Enkel (3) auf dem Spielplatz verbringen. Doch plötzlich schnappte sich ein völlig fremder Mann mit Gewalt den Dreijährigen. Während die Oma mit wilder Entschlossenheit um ihren Jungen kämpfte, stach der Angreifer mit einer Schere auf sie ein!
Selbst fünf Monate nach der Attacke in Hannovers Stadtteil Badenstedt kann Heidemarie L. (58, Name geändert) nur mühsam über das Schockerlebnis sprechen, ohne in Tränen auszubrechen. Im Prozess vor dem Landgericht durchlebte sie am Donnerstag im Zeugenstand noch einmal die furchtbaren Minuten am Maifeiertag, in denen sie über sich hinauswuchs. „Ich bin froh, dass mein Enkelkind da ist und wir beide noch leben“, erklärt die Großmutter mit brüchiger Stimme.
Scheren-Mann brüllte sie an
Rechts von ihr auf der Anklagebank sitzt Cosim-Teodor T. (46), ein Obdachloser aus Rumänien, der sich seit fünf Jahren in Deutschland aufhält. Laut psychiatrischem Gutachten leidet er an einer paranoiden Schizophrenie und war zur Tatzeit nicht zurechnungsfähig.
Die Oma weiter: „Wir waren allein auf dem Spielplatz. Er schlich herum, guckte in Papierkörbe, setzte sich auf die Bank und rauchte eine nach der anderen. Das hat mich so geärgert.“ Gegen 17.30 Uhr wollte sie aufbrechen und bat den Kleinen, seine Spielsachen einzusammeln. Dann geschah das Unbegreifliche. Die 58-Jährige: „Er sprang auf, schnappte ihn, hielt ihn mit einer Hand im Arm fixiert. Ich war wie erstarrt.“ Heidemarie L. spürte das Adrenalin, das durch ihren Körper schoss: „Mein Enkel schrie. Ich versuchte, ihn von dem Mann loszureißen, zerrte. Er brüllte mich an, ich verstand seine Worte nicht.“
Großmutter nahm Stichwunden erst später wahr
Ihr gelang es schließlich, ihren Enkel aus den Fängen des 46‑Jährigen zu befreien. Dass der Angreifer sie zwischenzeitlich viermal mit einer Schere verletzt hatte, bemerkte sie erst später, als sie das Blut sah. Zwischenzeitlich wurden Passanten auf die Schreie aufmerksam, einer wählte den Notruf. Polizisten überwältigten den Rumänen. Der 3-Jährige trug Hämatome davon, Sanitäter brachten Heidemarie L. in die Klinik. Glücklicherweise drang die Scherenspitze nicht tief ein. Zwei Narben werden sie an den Kampf erinnern. Die seelische ist längst nicht verheilt: „Ich habe Angst vor Spielplätzen und Scheren.“
Cosim-Teodor T. soll nun dauerhaft in der Psychiatrie untergebracht werden.