Rostock (Mecklenburg-Vorpommern) – „Fabian merkte, wenn es seiner Mutter nicht gut ging. Abends kam er nochmal zu seiner Mutter ins Bett kuscheln“, sagt die Nebenklage-Anwältin in ihrem Plädoyer. Es sind Worte, die ans Herz gehen. Vor einem Jahr wurde Fabian (8) aus Güstrow ermordet. Staatsanwaltschaft und Nebenklage sind sich sicher, dass Fabians Mörderin auf der Anklagebank sitzt: Gina H. (30), die Freundin von Fabians Vater.
Die Ankläger haben am Donnerstag ihre Plädoyers abgehalten. Der Tenor: Sie sehen Gina H.s Schuld erwiesen und fordern eine lebenslange Haftstrafe und die Feststellung der besonderen Schwere der Schuld. Christine Habetha, die Anwältin von Fabians Mutter Dorina, formulierte es drastisch: „Meine Mandantin hat ihren Sohn verloren. Ein Urteil mildert den Schmerz nicht, aber es bringt die Gewissheit, dass der Tod ihres Kindes nicht ungesühnt bleibt. Und der Tod trägt einen Namen: nämlich Mord. Und der Täter trägt einen Namen: nämlich den der Angeklagten.“
Die Staatsanwaltschaft und die Nebenklage sind überzeugt, dass Gina H. den Achtjährigen am 10. Oktober 2025 aus dem Haus lockte und ihn an einem Tümpel bei Klein Upahl mit sechs Messerstichen tötete, die Leiche anschließend in Brand setzte. Es geht an diesem 33. Prozesstag vor allem um die Angeklagte Gina H. Doch Anwältin Habetha liegt es besonders am Herzen, nicht nur über die mutmaßliche Täterin, sondern auch über Fabian zu sprechen, der fast sein ganzes Leben noch vor sich hatte.
Er sei ein anhänglicher, herzlicher und verschmuster Junge gewesen. Liebevoll, hilfsbereit und harmoniebedürftig. Er sei ein Junge voller Tatendrang und Neugier auf sein Umfeld gewesen. Er habe Entdeckergeist und soziale Fairness gehabt. Er habe gerne geteilt, das Miteinander in vollen Zügen genossen. Er sei ein aktiver Junge gewesen, der das Leben auf dem Hof liebte. Lebensfreudig und zuverlässig.
Fabians Mutter kämpft mit den Tränen
Seine Klassenlehrerin habe Fabian als „kontaktfreudig, freundlich und herzlich“ beschrieben. Unter einer Mathearbeit bekam er sogar das Prädikat „Der Rechenkönig“. „Er war ein besonderer Teil unserer Klasse“, hatte die Lehrerin gesagt. Und seine Freunde sprachen aus Kindermund über Fabian. Wie er war? „Klein, dick und ein bisschen frech.“ „In den Erinnerungen seiner Freunde war Fabian ein Junge, der mitten in einem ganz gewöhnlichen Kinderleben stand“, sagt Habetha.
Es sind Minuten, in denen Fabians sonst so starke Mutter die Fassung verliert und immer wieder mit den Tränen kämpft. Worte voller Liebe – die fand die Angeklagte für Fabian nie. Ihre Nachrichten enthielten vor allem Verachtung und Vorwürfe. Und nach seinem gewaltsamen Tod beschwerte sich Gina H. darüber, dass jetzt „so ein Gewese gemacht wird“. „Fabian hatte das Recht, geliebt, geschützt und respektiert zu werden. Auch dann, wenn seine Existenz nicht in die Lebensplanung eines Erwachsenen passte“, sagt Habetha.