Als Elke Schletz macht man natürlich keine Schauspielerinnenkarriere, nicht mal in Deutschland. Als Elke Sommer aber schon. Denn die am 5. November 1940 in Berlin geborene, aber in Franken groß gewordene Tochter eines evangelischen Pfarrers wusste nicht nur den neuen Namen einzusetzen, um vor der Kamera nach oben zu kommen. Was sich am Anfang wie das Märchen vom deutschen Fräuleinwunder lesen lässt – für welches sie beste Voraussetzungen mitbrachte, weil sie international allen teutonischen Klischees entsprach –, ist ihre frühe Karrierebeschreibung.
Früh halbwaise geworden, besuchte Elke brav das Humanistische Gymnasium Erlangen und nahm während eines Au-pair-Aufenthaltes in London fleißig Sprachunterricht. Auf ihre sattelfeste Polyglottheit in sechs Sprachen legte Frau Sommer auch später großen Wert. Ebenfalls war es für ihren Beruf zuträglich, dass ihr erster Mann Schüler von Bruce Lee war und sie in asiatischen Kampfkünsten zumindest anleitete.
Es kam, wie es im Leben eines Sternchens kommen muss: Sie, die eigentlich Dolmetscherin als mittelfristiges Berufsziel ins Auge gefasst hatte, wurde 1958 während eines Urlaubs in Bella Italia, sogar noch als Signorina Schletz, zur „Miss Viareggio“ gekürt. Die Zeitungsfotos von La Bella Tedesca gefielen dem Filmregisseur Vittorio De Sica. Der holte sie nach Rom, und „La Elke“ wurde im selben Jahr Teil des längst vergessenen Films „Der Freund des Jaguars“. Anschließend wurden mit ihr gleich zwei weitere italienische Filme mit den schönen Titeln „La pica sul Pacifico“ und „Ragazzi del Juke box“ heruntergekurbelt.
Plötzlich „deutsche Sexbombe“
Und dann hatte natürlich Artur „Atze“ Brauner Lunte gerochen und bot der blonden Deutschen einen Dreijahresvertrag an. Der erste Film war gleich Georg Tresslers Klassiker „Das Totenschiff“ (1959), in dem sie die französische Landmaid und Bahnwärterstochter Mylène Loureau mimte, an der Horst Buchholz zumindest episodisch Gefallen fand.
Und schon ihre nächste Rolle als Gangsterliebchen von Mario Adorf im Krimi „Am Tag, als der Regen kam“ prägte Elke Sommers künftiges Image als „deutsche Sexbombe“. Das kultivierte sie, schnell auch in Hauptpartien, in deutscher wie italienischer Kinokonfektion mit Titeln wie „Himmel, Amor und Zwirn“, „Sappho, Venus von Lesbos“, „Luxusweibchen“, „Zarte Haut in schwarzer Seide“, „Herein, ohne anzuklopfen“ oder „Geliebte Hochstaplerin“.
1962 kam dann der verheißungsvolle Anruf aus Hollywood, wo man damals für den internationalen Markt – so drastisch muss man es sagen – gerne hübsche Europäerinnen importierte. Noch 2025 sagte sie im WELT-Interview: „ich kann nichts dafür, dass ich zwei Tittis habe und einen Po, der einigermaßen schön ist.“ 1963 war Elke Sommer im Kriegsepos „Die Sieger“ als Ostdeutsche Helga Teil der letzten Reihe von Europäerinnen (zu der auch Romy Schneider zählte), die die Demoralisierung von Siegern und Besiegten aus weiblicher Sicht zu spielen hatten.
Für ihre im selben Jahr gespielte Rolle in „Der Preis“ bekam Sommer sogar den Golden Globe als beste Nachwuchsschauspielerin. Während andere deutschsprachige Schauspielerinnen wie Maria Schell und Senta Berger in Hollywood nur kurzzeitig blieben, zog Elke Sommer nach Beverly Hills und heiratete den Journalisten und Fotografen Joe Hyams.
Ihren bemerkenswertesten Film drehte sie freilich ebenfalls schon 1964: Filmregisseur Blake Edwards castete sie als Mordverdächtige wie Geliebte von Inspektor Clouseau für „Ein Schuss im Dunkeln“, den zweiten Teil der „Pink-Panther“-Krimikomödien. Auch hier fungierte Elke Sommer vornehmlich als gut geführtes Augenfutter, aber sie biss sich mit Disziplin und Resilienz als eine der wenigen deutschen Schauspielerinnen dauerhaft in Hollywood durch. Sie spielte vorwiegend in B-Pictures der Krimi- und Agentensorte, gerne auch in diversen James-Bond-Parodien.
Dabei verlor sie aber Deutschland nie ganz aus den Augen, wenngleich sie hier ihre Auftritte auf Schlagerfilme, Karl-May-Western („Unter Geiern“) und Krimis beschränkte. Skurrilitätsstatus hat dabei höchstens „The Wicked Dreams of Paula Schultz“ (1968), in dem sie als DDR-Stabhochspringerin die Berliner Mauer überwinden sollte. Der junge deutsche Film wollte von ihr nichts wissen, „Die Reise nach Wien“ (1973) von Edgar Reitz blieb Episode.
Sommers Erfolgsrezept: breit aufstellen und im Gespräch bleiben. Es ist im Grunde das, was Reality-Stars heute versuchen. Obwohl Sommer nur ein Trällerstimmchen hatte, nahm sie von 1961 bis 1999 elf Singles und fünf Langspielplatten in diversen Sprachen auf, doch Ewigkeitsanspruch können Titel wie „Wir sind Freunde“, „Cowboy-Shake“ und „Hey, hey, hey, ich suche einen Boy“ nicht beanspruchen. Ihre letzte Platte hieß dann auch konsequenterweise: „Das allein kann doch nicht alles sein“.
1970 posierte Elke Sommer für den „Playboy“, fotografiert von ihrem Ehemann Joe Hyams. Für Sex-Papst Oswalt Kolle blieb sie aber trotzdem die spießige „Erlanger Pfarrerstochter“. Sommer konterte 1989 mit der Autobiografie „Unter uns Pfarrerstöchtern – oder? Eine autobiographische Zwischenbilanz“. Seit 1966 malte sie unter dem Pseudonym „E. Schwartz“ und stellte auch international aus. Wer Glück hatte, konnte sie im Beverly-Hills-Hotel an der Bar sitzen sehen.
Sie trat in zahlreichen amerikanischen Fernsehshows auf, mehrmals bei Dean Martin, 1978 bei den Muppets. Schon 1970 hatte sie in den USA wie auf deutschen Tourneen begonnen, Theater zu spielen. Längst geschieden, heiratete Elke Sommer 1993 den 2026 gestorbenen deutschen Hotelier Wolf Walther, mit dem sie bis 2025 abwechselnd in Los Angeles und im fränkischen Marloffstein lebte. Noch vor der Jahrtausendwende gab es Diven-Zoff in Hollywood: Schauspielerin und Lästermäulchen Zsa Zsa Gabor hatte behauptet, Sommer sei „bettelarm“, woraufhin sie 1993 zur Zahlung von damals zwei Millionen Dollar Schmerzensgeld verurteilt wurde.
Elke Sommers letzte größere Rolle war 2010 in „Das Leben ist zu lang“ von Dani Levy. Jetzt ist sie, schon länger bettlägerig, aber bis zum Schluss ewigblond, am 28. Oktober in Bel Air an einer Herzinsuffizienz gestorben. Sie wurde 85 Jahre alt.