Berlin – Der Winter kommt, die Speicher sind zu leer - und jetzt das: Der europäische Gaspreis hat erstmals seit Ende 2022 wieder die Marke von 100 Euro je Megawattstunde erreicht. Droht ein ähnlich teurer Heiz-Winter wie nach dem Ausbruch des Krieges gegen die Ukraine 2022?
Am Mittwoch stieg der wichtige TTF-Gaspreis zeitweise auf 100,20 Euro. Der Grund: Europa geht mit vergleichsweise niedrigen Gasreserven in die kalte Jahreszeit. Die europäischen Speicher waren am 28. Oktober nur zu rund 75 Prozent gefüllt. Gleichzeitig steigt mit fallenden Temperaturen der Verbrauch. Besonders angespannt ist die Lage in Deutschland.
Gasspeicher sind zu leer
Die deutschen Gasspeicher sind derzeit nur zu 61,6 Prozent gefüllt. Damit sind die Speicher deutlich niedriger gefüllt als in den Vergleichszeiträumen vergangener Jahre. Brisant: Für den 1. November gilt für die meisten deutschen Speicher eigentlich ein gesetzliches Füllstandsziel von 80 Prozent. Für einige Speicher gelten allerdings niedrigere Sonderziele. Trotzdem gibt die Bundesnetzagentur vorerst Entwarnung: Die Gasversorgung in Deutschland sei stabil, die Versorgungssicherheit gewährleistet.
Doch das Auffüllen der Speicher in Deutschland und Europa dürfte schwierig werden: LNG-Lieferungen durch die Straße von Hormus sind wegen des Iran-Krieges gestört, außerdem gab es ungeplante Ausfälle an norwegischen Gasanlagen. Das Ergebnis: Händler fürchten, dass Gas im Winter knapp und damit noch teurer werden könnte. Bereits innerhalb eines Monats ist der europäische Gaspreis um mehr als ein Drittel gestiegen. Für Deutschland ist das eine schlechte Nachricht: Hohe Gaspreise verteuern Energie für Unternehmen und können auch die Kosten für Verbraucher nach oben treiben.
Preise wie in Energiekrise 2022 noch in weiter Ferne
Von den Extremwerten der Energiekrise ist Europa allerdings noch weit entfernt. Im März 2022 schoss der Gaspreis zeitweise auf rund 345 Euro pro Megawattstunde. Am Donnerstagmorgen gab es zunächst etwas Entspannung: Der Preis sank wieder auf rund 97 Euro.
Doch die 100-Euro-Marke bleibt gefährlich nah, und mit dem Winter beginnt jetzt die entscheidende Phase für Europas Gasversorgung. Ein kalter Winter oder neue Lieferausfälle könnten den Gaspreis schnell wieder steigen lassen.