Phnom Penh (Kambodscha) – Für viele sollte es der luxuriöse Lebensabend auf hoher See werden. Jetzt stehen sie, Tausende Kilometer von ihrer Heimat entfernt, plötzlich ohne festes Zuhause da: Nach dem abrupten Aus für die Weltreise des Kreuzfahrtschiffs „MV Odyssey“ sitzen rund 200 Passagiere in Kambodscha fest – und nicht wenige von ihnen sind jetzt obdachlos geworden.
Am Dienstagmorgen hatten die Bewohner erfahren, dass sie das Schiff im Hafen von Sihanoukville ganz im Süden von Kambodscha bis zum frühen Nachmittag verlassen müssen. Nur etwa sieben Stunden blieben ihnen, um ihre Sachen zu packen. Der US-Betreiber „Villa Vie Residences“ hatte den Betrieb wegen explodierender Treibstoffkosten ausgesetzt.
Passagiere teils in Hotels untergekommen
Besonders bitter: Viele Passagiere hatten Häuser und Autos verkauft, weil ihre Kabine dauerhaft zu ihrem neuen Zuhause werden sollte. „Die plötzliche Anordnung zur Ausschiffung hat viele der Rentner und Fernarbeiter an Bord obdachlos gemacht“, erklärte der kambodschanische Vize-Provinzgouverneur Long Dimanche. Einige Bewohner flogen bereits aus, andere kamen zunächst in Hotels unter.
Frau bezahlte Kabine für 15 Jahre
Zu ihnen gehört die Australierin Frances Paroissien (78). Sie betrachtete die „Odyssey“ als langfristiges Zuhause. Vor zwei Jahren sagte sie dem Portal „Cruise Passenger“, sie habe eine Kabine für 15 Jahre gekauft. Das Leben an Bord werde ihr Unterkunft, Verpflegung, Reinigung und medizinische Versorgung bieten. Die Kreuzfahrt sei für sie deutlich attraktiver, als allein in ihrer Wohnung zu sitzen oder in einem Pflegeheim zu leben.
Ähnliches sagte die 69-jährige US-Amerikanerin Carol Larson der Nachrichtenagentur AFP: Sie habe 120.000 Dollar plus monatliche Gebühren für ihre Kabine bezahlt – damit hätte sie dort wohnen dürfen, solange das Schiff fährt. Auch der Rentner Benjamin Schatz hatte geglaubt, ein dauerhaftes Zuhause gefunden zu haben. Gegenüber „CBS News“ sagte er nach dem Rauswurf, er stehe unter Schock. Es gebe nun Menschen, die obdachlos seien, kaum noch Geld hätten und nicht wüssten, wie es für sie weitergehen solle.
Paar verkaufte Unternehmen für Kreuzfahrt
Lanette Canen und Johan Bodin hatten nach einem Bericht der britischen Zeitung „The Independent“ sogar ein Unternehmen verkauft, um für 100.000 Dollar eine Kabine zu erwerben. Hinzu kamen monatliche Gebühren von 3500 Dollar.
Passagier Randy Cassingham berichtete, einige Bewohner hätten einen Großteil ihrer Altersvorsorge in das Leben an Bord gesteckt und wüssten nun nicht, wo oder wie sie künftig leben sollten. Cassingham und seine Frau Kit haben laut AFP rund eine Million Dollar für die Reise ausgegeben. Sie sollte eigentlich mindestens 15 Jahre dauern.
Treibstoffkosten angeblich mehr als vervierfacht
Nach Darstellung des Betreibers stiegen die monatlichen Treibstoffkosten pro Kabine in Asien von durchschnittlich 1800 auf schätzungsweise 6000 bis 8000 Dollar. Firmenchef Mikael Petterson sagte „CBS News“, die gesamten monatlichen Ausgaben seien von rund 400.000 auf zwei Millionen Dollar geklettert. Nun sei ein Insolvenzverfahren nach US-Recht geplant.
Die „Odyssey“ soll am Samstag Treibstoff aufnehmen und Sihanoukville verlassen. Wohin das Schiff fährt und ob Bewohner wieder an Bord dürfen, ist bislang unklar.