Dingolfing – Auch am Tag nach dem kaltblütigen Haustür-Mord in Niederbayern rätselt die Polizei über die Hintergründe und jagt den Täter. BILD sprach mit Augenzeugen, die direkt nach den Schüssen am Tatort waren und den Killer bei der Flucht beobachtet hatten.
Der Schock sitzt tief nach der grauenvollen Bluttat in der beschaulichen Wohngegend an der Schwedenschanze im beschaulichen Dingolfing. Am Montag hatte gegen 12.30 Uhr ein Mann an der Haustür eines Unternehmers (43) geklingelt und sofort das Feuer eröffnet, als der Mann die Tür öffnete.
Das Opfer, Chef eines Security-Unternehmens, soll nach Augenzeugenberichten durch drei Schüsse niedergestreckt worden sein und starb wenig später an seinen Verletzungen. Der Schütze soll laut Polizeisprecher Günther Tomaschko mit einem schwarzen BMW geflüchtet sein.
Augenzeugin rief Opfer zu: „Halte durch, halte durch!“
BILD sprach mit einer Nachbarin, die kurz nach den Schüssen zum Haus des Unternehmers geeilt war – und eine grauenvolle Szenerie vorfand. „Ich hörte plötzlich seine Frau schreien und lief rüber.“ Das Opfer habe vor der Tür auf dem Bauch in einer Blutlache gelegen, der Kopf auf Höhe des Fußabstreifers. „Ich versuchte, die Frau zu beruhigen.“ Die Ehefrau des Mannes habe den Notruf gewählt und gerufen: „Wann kommt denn endlich ein Krankenwagen?“ Auch die Nachbarin habe versucht, dem Unternehmer zu helfen und sagte zu ihm: „Halte durch, halte durch.“
Kurz darauf trafen die Einsatzkräfte ein, doch auch die konnten den Familienvater – seine Kinder waren zum Tatzeitpunkt in der Schule – nicht mehr retten.
Opfer war Chef einer insolventen Security-Firma
Ein weiterer Anwohner sah den mutmaßlichen Täter in einem schwarzen Fahrzeug davonrasen. Er hatte zuvor auch drei Schüsse gehört, gab der Polizei offenbar Anhaltspunkte, in welche Richtung er geflüchtet war. Noch am Montag wurde mit einem Großaufgebot nach dem Schützen gefahndet, u.a. auch mit einem Hubschrauber. Bisher ohne Erfolg. Am Dienstag suchten Einsatzkräfte das Gebiet, in das der Fluchtwagen gerast war, u.a. mit Metalldetektoren.
Derweil rätselt die Kripo, was das Motiv der Bluttat gewesen sein könnte. Wie BILD erfuhr, soll es strafrechtliche Ermittlungen gegen das Opfer gegeben haben. Zudem hatte seine Firma vor kurzem Insolvenz angemeldet. Das Polizeipräsidium wollte sich dazu auf Anfrage jedoch nicht äußern. Die Ermittler konzentrieren sich derzeit auf die Fahndung nach dem Täter. Die Bevölkerung wird gebeten, bei verdächtigen Wahrnehmungen die Polizei unter 0871/9252-0 zu verständigen. Der Flüchtige sprach Hochdeutsch, trug eine dunkle Jacke mit Kapuze, hatte einen Oberlippenbart und ein eher rundliches Gesicht.