Berlin – Bundeskanzler Friedrich Merz (70, CDU) baut sein Kabinett um und holt CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann (48) ins Gesundheitsministerium. Ausgerechnet Linnemann: Vor gut einem Jahr sagte er noch, er wäre als Gesundheitsminister „wahrscheinlich nicht erfolgreich gewesen“. Jetzt soll er eines der schwierigsten Ressorts der Bundesregierung übernehmen. Was hat ihn umgestimmt? BILD hat nachgefragt.
BILD: Herr Linnemann, darf man zum Gesundheitsminister gratulieren?
Carsten Linnemann: Ja. Warum denn nicht?
Na, wegen des Videos, von dem Sie gerade eingeholt werden, in dem Sie bei den Kollegen von „phoenix“ erklärt haben: „Wenn man mich etwa als Gesundheitsminister aufgestellt hätte, wäre ich nicht erfolgreich gewesen. Deshalb: Schuster, bleib bei deinem Leisten.“
Wenn die Uhr auf die Zeit kurz nach der Bundestagswahl zurückgedreht würde, würde ich wieder so antworten. Die Ausgangslage war damals eine andere. Ich hatte im Wahlkampf immer wieder für die Abschaffung des Bürgergelds geworben. Das war ein zentrales Versprechen der Union. Das wollte ich unbedingt einlösen. Daher meine Entscheidung für eine Doppelfunktion: Ich machte als Generalsekretär weiter, um im Koalitionsausschuss mitreden zu können, und ich übernahm das Amt des Fraktionsvize für Arbeit und Soziales, um die Reform im Bereich der Grundsicherung voranzutreiben und dramatische Fehlentwicklungen zu stoppen und umzukehren.
Und jetzt?
Jetzt ist das Bürgergeld Geschichte. Die neue Grundsicherung ist eingeführt. Gleichzeitig verhandle ich jetzt seit über einem Jahr auch die Gesundheitsthemen im Koalitionsausschuss und sehe, dass auch im Gesundheitswesen ein erheblicher Reformdruck vorliegt. Nina Warken hat die ersten großen richtigen Reformschritte eingeleitet. Und daran werde ich anknüpfen und weitermachen. Das Gesundheitsministerium ist zu einem der zentralen Reformressorts der Regierung geworden. Das war auch der Grund, warum mich der Bundeskanzler gebeten hat, das Ressort zu übernehmen. Wir müssen einfach wissen: Wir haben eines der teuersten Gesundheitssysteme der Welt, aber eben nicht eines der besten. Weder sind die Menschen in Deutschland im Durchschnitt gesünder als anderswo, noch haben wir eine höhere Lebenserwartung.
Also: kein Bammel mehr vorm Scheitern?
Ich habe großen Respekt vor der neuen Aufgabe, ist doch klar! Ich weiß, dass ich mich noch tiefer werde einarbeiten müssen. Aber ich traue mir das zu. Ich freue mich auch über den großen Zuspruch, den ich in den vergangenen Tagen von vielen Menschen erhalten habe.
Sie haben gesagt, 20 gesetzliche Krankenkassen würden reichen und die Sozialbeiträge sollten sich eher in Richtung 40 Prozent abwärts statt gen 50 Prozent bewegen. Gehen Sie da ran?
Ganz klar: ja. Für die Reduzierung der Zahl der Krankenkassen setze ich mich ja seit Langem ein. Und dass die Sozialbeiträge stabilisiert, ja eigentlich sinken müssten, steht außer Frage. Aber es wird nicht einfach werden. Da mache ich mir nichts vor.