Berlin – Wird das Rennen um Schloss Bellevue zum Machtpoker in der Union? Und kommt es zum Konflikt zwischen CDU-Chef Merz und CSU-Chef Söder wegen der Kandidatenfrage? Bundeskanzler Friedrich Merz (70, CDU) will nach BILD-Informationen am 9. November im CDU-Präsidium eine Entscheidung über die Kandidatur für das Bundespräsidentenamt treffen.
Ein Name, der in der CDU gehandelt wird: Hessens CDU-Fraktionschefin Ines Claus (49). (BILD berichtete). Jetzt geht die CDU-Politikerin selbst aus der Deckung. „Es ist für mich eine große Ehre, in diesem Zusammenhang genannt zu werden“, sagte Claus der „Rheinischen Post“. Die Zeitung berichtet unter Berufung auf hochrangige CDU-Kreise, Claus sei die Favoritin von Merz.
CDU-Landesverbände bestehen auf eigener Kandidatin
Nach BILD-Informationen könnte die CDU eine eigene Kandidatin präsentieren. Der Druck kommt dabei auch aus den Ländern. Mehrere CDU-Landesverbände wollen das höchste Staatsamt nicht einfach der CSU überlassen. Vor allem Hessen erhebt Ansprüche. Dort wird argumentiert, dass das Land in der Bundesregierung nicht vertreten sei.
Damit wird die Kandidatensuche auch zu einer Machtfrage zwischen CDU und CSU: Überlässt die größere Schwesterpartei den Zugriff aufs Schloss Bellevue tatsächlich der CSU oder besteht die CDU auf einer eigenen Frau?
Zweifel an Personalie Claus
Doch an der Personalie Claus gibt es nach BILD-Informationen auch innerhalb der CDU erhebliche Zweifel. Insider halten ihre Kandidatur für extrem unwahrscheinlich. Ein Grund: Es sei fraglich, ob insbesondere die Grünen Claus mittragen würden. Hinzu kommt: Claus fehlen die bundespolitische Erfahrung und die Bekanntheit.
Was für Claus spricht: Sie ist Volljuristin. Seit April 2020 führt sie die CDU-Fraktion im Hessischen Landtag, seit 2026 ist sie stellvertretende CDU‑Bundesvorsitzende. Die 49-Jährige ist verheiratet, Mutter von drei Kindern und katholisch. Eine weitere prominente CDU-Frau, deren Name immer wieder fällt, gilt nach BILD-Informationen ebenfalls als schwierige Lösung: Bundestagspräsidentin Julia Klöckner. Auch bei ihr gibt es in der CDU Zweifel, ob SPD und Grüne eine Kandidatur unterstützen würden.
Dann doch Aigner?
Und damit kommt wieder Bayerns Landtagspräsidentin Ilse Aigner ins Spiel. Die CSU will Aigner fürs Schloss Bellevue. Für sie spricht: Zustimmung zu einer möglichen Kandidatur kam bereits von Politikern aus SPD und Grünen. Nach BILD-Informationen wird in CDU-Kreisen deshalb durchaus für möglich gehalten, dass Merz am Ende doch Aigner mitträgt.
Am 9. November will Merz im CDU-Präsidium die Weichen stellen. Bis dahin geht der Poker um die Nachfolge des amtierenden Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier (70) weiter. Dessen Amtszeit läuft im Merz aus.
Eine INSA-Umfrage für BILD zeigt: Nur gut jeder Dritte findet, dass der nächste Bundespräsident unbedingt eine Frau sein sollte. 35 Prozent sprechen sich ausdrücklich dafür aus. Einer Mehrheit von 53 Prozent ist das Geschlecht dagegen egal. Nur neun Prozent lehnen eine Frau im höchsten Staatsamt ausdrücklich ab.