DĂŒsseldorf/Berlin â Paukenschlag von Bundesarbeitsministerin BĂ€rbel Bas (58, SPD): Die SPD-Chefin will langfristig auch Beamte in die gesetzliche Rentenversicherung einbeziehen â und bringt damit eine heikle Debatte erneut auf den Tisch. Bas macht klar: âWir brauchen ein gemeinsames System, wenn man eine groĂe Reform haben will.â Ihr Argument: âWenn alle einzahlen, dann hĂ€tten wir mehr im Topf und der Staat muss nicht so viel zuzahlen.â
Die Ministerin weiĂ allerdings, dass ihr VorstoĂ politisch ein dickes Brett ist. âIch weiĂ, dass es ein langer Weg istâ, rĂ€umte Bas bei einer Veranstaltung der âRheinischen Postâ in DĂŒsseldorf ein. Trotzdem könne die geplante Rentenreform bereits erste Schritte in diese Richtung enthalten. Voraussetzung: âAlle BundeslĂ€nder mĂŒssen dabei mitmachen.â Deshalb mĂŒsse man mit den MinisterprĂ€sidenten reden.
Doch damit nicht genug: Bas zeigte sich auch offen fĂŒr ein höheres Renteneintrittsalter nach 2031. Allerdings dĂŒrften Menschen, die körperlich nicht so lange arbeiten können, nicht benachteiligt werden. Eine Möglichkeit sei es, das Rentenalter stĂ€rker an die Zahl der Beitragsjahre zu koppeln.
SPD-Chefin ĂŒbt Selbstkritik
Gleichzeitig ĂŒbte sich die SPD-Chefin in ungewöhnlicher Selbstkritik. Die Stimmung im Land sei schlecht. âDie Menschen sind wĂŒtend auf die Regierung und auf meine Parteiâ, sagte Bas. Wenn die BĂŒrger den Eindruck hĂ€tten, die Regierung streite nur noch, âdann machen wir was falschâ. Die Koalition könne nur gemeinsam gewinnen oder gemeinsam verlieren, sagte Bas angesichts sinkender Umfragewerte fĂŒr die SPD, aber auch fĂŒr die Union. âWir haben nicht mehr viel zuzusetzenâ, sagte Bas angesichts von aktuellen Umfragewerten bei INSA fĂŒr BILD um die 12 Prozent fĂŒr die SPD. Die NervositĂ€t in ihrer Partei sei entsprechend groĂ.
Auch persönlich steht die SPD-Chefin unter Druck. âIch bin so ein personifiziertes Feindbild gewordenâ, klagte Bas. Immer wieder werde sie Ziel von Hass und Beleidigungen. Besonders erschĂŒtternd: Sie sprach sogar von âVergewaltigungsfantasienâ, mit denen sie konfrontiert werde.
Trotz allem denkt die Duisburgerin nicht ans Aufgeben. Zwar komme ihr in stressigen Phasen schon mal der Gedanke: âIch könnte es mir mal irgendwie einfacher machen.â Doch dann folge stets derselbe Entschluss: âNein, den Gefallen tue ich denen nicht.â