Die Formel 1 platzt aus allen Nähten – insbesondere im zweitkleinsten Land der Welt: Monaco. Am Sonntag (15 Uhr, Sky und RTL) gastiert die Königsklasse des Motorsports zum 72. Mal im Fürstentum. Traditionell lockt der Grand Prix Tausende Fans und diverse Promis an. Mehr sogar. Die F1-Verantwortlichen erwarten dieses Jahr einen neuen Zuschauerrekord. Unter anderem wurde der „Paddock Club“, die VIP-Loge, durch einen neu gebauten 10-Millionen-Euro-Komplex verdreifacht.
Doch nicht nur für die Fans wurde mehr Platz geschaffen. Auch das Fahrerlager im engen Jachthafen von Monaco wurde ausgebaut. Weil seit dieser Saison mit Cadillac ein elftes Team an den Start geht, brauchte es auch Platz für ein 13. Team-Haus (elf Teams + Weltverband Fia und Formel 1). Den gab es nicht – weswegen man im Fürstentum entschied, einen Kindergarten und eine Schule abzureißen. Die Arbeiten dafür begannen bereits am Montag nach dem Monaco-GP vergangenen Jahres.
Prekär: Vom Abriss der Bildungsstätten sind rund 1000 Kinder betroffen. Die nächstgelegene Schule ist knapp zwei Kilometer entfernt.
Ein Vorgang, der nicht überrascht. Das Fürstentum leidet seit Jahrzehnten unter chronischem Platzmangel, will aber weiterhin Bestandteil des Formel-1-Rennkalenders sein. Um die immer weiter ausufernden Auflagen zu erfüllen, muss Monaco kreativ werden und der Rennserie gegenüber Zugeständnisse machen.
Der Grand Prix am Mittelmeer hat längst seinen Sonderstatus eingebüßt. Das langjährige Privileg, eigene Sponsoren und einen eigenen VIP-Bereich zu haben, wurde von der Formel 1 einkassiert. Auch das Traditionsdatum des Rennwochenendes, Ende Mai, wurde gestrichen, um nicht weiterhin mit dem Motorsport-Klassiker „Indy 500“ der IndyCar-Serie in Konkurrenz zu stehen.
Denn eigentlich passen die Formel 1 und Monaco längst nicht mehr zusammen. Die engen Straßen in den Häuserschluchten des Fürstentums bieten kaum bis keinen Raum für Überholmanöver der XXL-Boliden (Radstand 3,4 Meter, Breite 1,9 Meter).