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Vincent Kompany: Die große Debatte im Fußball nach seinem Zusammenbruch

Vincent Kompany: Die große Debatte im Fußball nach seinem Zusammenbruch
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München – Der Zusammenbruch von Bayern-Trainer Vincent Kompany (40) beschäftigt die Fußball-Welt. Kompany befindet sich nach seinem Zusammenbruch am Freitag auf dem Trainingsgelände an der Säbener Straße weiter im Krankenhaus. Der Vorfall wirft dabei eine grundsätzliche Frage auf: Wie groß ist der Druck auf die Trainer – und wer achtet auf ihre Gesundheit? Trainer, Legenden und Sportpsychologen äußern sich dazu.

Die große Debatte nach dem Kompany-Zusammenbruch

BVB-Trainer Niko Kovac (55): „Der Stress in der Bundesliga oder allgemein in unserem Geschäft ist sicherlich sehr groß. Wer passt schon auf den Trainer auf? Wenn der Trainer nicht alleine auf sich aufpasst, beziehungsweise die Familie, dann ist es, glaube ich, ein bisschen schwieriger.“ Und weiter: „Wenn du gewinnst, dann sind es die anderen, wenn du verlierst, sind es die Trainer – das ist meistens so.“

Der frühere Meister-Trainer der Bayern Felix Magath (73) zu BILD: „Tatsache ist, dass es heute mehr Spiele gibt als noch vor einigen Jahren. Der Rhythmus ist schneller geworden. Die Frequenz höher. Und damit auch der Druck und die Belastung.“

Auch Ex-Bundesliga-Trainer Mirko Slomka (59) greift das Thema in seiner Instagram-Kolumne „Der 2. Blick“ auf: „Kritik gehört zum Fußball. Aber was wir Trainern mittlerweile zumuten, hat mit sachlicher Kritik oft nicht mehr zu tun. Wir reden ständig über die Belastungsgrenzen unserer Spieler. Vielleicht sollten wir endlich anfangen, auch über die Belastungsgrenzen unserer Trainer zu sprechen.“

Nürnbergs Miroslav Klose (48): „Gesundheit, das ist das Allerwichtigste. Es ist nicht einfach, denn wir sind alle stur.“

Martín Demichelis (45/RB Leipzig): „Wir als Trainer denken 24 Stunden darüber nach, was wir verbessern können. Wahrscheinlich arbeitet unser Kopf viel zu viel.“

Denn: Inzwischen muss ein Trainer neben der Mannschaft auch noch einen riesigen Trainer-Stab managen und wissen, was im Nachwuchs am Campus los ist.

„Wir feiern Durchhaltevermögen und übersehen Selbstzerstörung“

Sportpsychologe und Mentalcoach Matthias Herzog zu BILD über den Trainer-Job: „Sie wollen niemanden enttäuschen, überall Verantwortung übernehmen und ihren Mitarbeitern mit gutem Beispiel vorangehen. Sie glauben, sie müssten immer präsent sein.“ Sein Fazit: „Wir feiern Durchhaltevermögen und übersehen, wann daraus Selbstzerstörung wird.“

Über den Leistungsdruck und Kompany im Speziellen sagt Herzog: „Wer von klein auf lernt, dass er immer mehr leisten muss als andere, entwickelt einen enormen inneren Leistungsdruck. Daraus entstehen Routinen und Glaubenssätze, die sich über Jahrzehnte verfestigen. Genau diese Antreiber haben Kompany geholfen, Weltklassefußballer zu werden. Doch was ihn erfolgreich gemacht hat, wird jetzt zur Gefahr für seine Gesundheit.“ Denn: „Der innere Antreiber kennt keinen Feierabend. Je größer die Verantwortung, desto lauter wird die Stimme im Kopf: Du musst noch mehr leisten, noch besser sein, darfst keine Schwäche zeigen.“

Wie hoch die körperliche Belastung tatsächlich ist, zeigt eine Studie von Meyer, Demond und Scharhag aus dem Jahr 2022. Die Forscher untersuchten 17 Chef- und elf Co-Trainer aus der ersten und zweiten Bundesliga während eines wichtigen Spiels. Ergebnis: Schon während der Halbzeiten lag ihr Puls im Schnitt bei 102 bis 103 Schlägen pro Minute. Die persönlichen Spitzenwerte erreichten durchschnittlich sogar 127 bis 132 Schläge. Hinweise auf unmittelbare spielbedingte Herzschäden fanden die Forscher allerdings nicht.

Paderborn-Trainer berichtet von „Arbeitsspirale“

Was der permanente Druck anrichten kann, schilderte Paderborn-Trainer Ralf Kettemann (40) bereits im September in SPORT BILD. Kettemann: „Ich geriet in diese Arbeitsspirale, habe mich nach Sieg und Niederlage definiert. Das hatte damals Spuren bei mir hinterlassen, mir fehlte phasenweise die Kraft, sodass ich vereinzelt zu Spielen gefahren werden musste.“

Ein warnendes Beispiel: Ottmar Hitzfeld (77) erlitt als Trainer von Borussia Dortmund 1993 einen lebensgefährlichen Darmdurchbruch, musste notoperiert und auf der Intensivstation behandelt werden. Außerdem: Nach dem Double mit Bayern 2003 war Hitzfeld körperlich und psychisch ausgebrannt. 2004 lehnte er deshalb sogar das Angebot ab, Bundestrainer zu werden.

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