Washington – Heute wählt Amerika – es sind Schicksalswahlen für Donald Trump (80)! Der US-Präsident steht bei den Kongress-Zwischenwahlen („Midterms“) zwar nicht auf dem Wahlzettel, doch auf dem Spiel steht seine Macht in den letzten beiden Amtsjahren. Eine Rückeroberung des Kongresses durch die Demokraten könnte seine Agenda blockieren und eine Flut von Korruptions-Ermittlungen gegen Trump und seine Familie auslösen.
Trump selbst warnte seine Anhänger, die Demokraten wollten ihn mit einem Amtsenthebungsverfahren („Impeachment“) aus dem Amt jagen. Ihm drohen zwei Jahre voller Frontalattacken der erstarkten Opposition. Auch auf der Weltbühne wäre Trump geschwächt. Er könnte sich bei Demokraten-Angriffen aber mit seiner Vetomacht auch wehren. Es droht eine gegenseitige Blockade.
435 Kongress-Sitze, 35 Senats-Duelle, 36 Gouverneurswahlen
Worum geht’s genau – und kommt es tatsächlich zum Machtbeben in Washington? Alle 435 Sitze im Repräsentantenhaus werden neu gewählt. Wahlmodelle beziffern die Chance einer demokratischen Mehrheit auf mehr als 90 Prozent.
Neuer Speaker, immerhin die drittmächtigste Person des Landes, könnte dann einer der schärfsten Trump-Gegner werden: Hakeem Jeffries (56). Er wäre der erste Schwarze in dem Amt. Der Kampf um den Senat ist ein Thriller: 35 der 100 Senatoren werden gewählt, die Demokraten müssten vier Sitze hinzugewinnen. Eine hohe Hürde. Die Chancen auf eine Mehrheit berechnen Prognosemodelle mit 59 bis 79 Prozent.
Schafft Aufsteiger Talarico die Texas-Sensation?
Packend ist vor allem das Duell in Texas: Dort will der „Polit-Prediger“ James Talarico (37) als erster Demokrat seit 1988 für das erzkonservative Texas in den Senat einziehen. Ein heftiger Demokraten-Krach erschüttert das Wahlfinale in Michigan: Die demokratische Kongressabgeordnete Haley Stevens unterstützte überraschend den Republikaner Mike Rogers – aus Protest gegen die Anti-Israel-Positionen ihres Parteikollegen Abdul El-Sayed (42).
Trump tut schlechte Umfragen als Fake ab
Bei den Midterms geht es auch um 36 Gouverneursposten. In den letzten Tagen zeigten Umfragen einen wachsenden Vorsprung der Demokraten. Sie schienen den Schwung auf ihrer Seite zu haben. Trump hingegen tat unliebsame Ergebnisse gerne als „Fake“ ab. Tatsächlich aber unterschätzten Meinungsforscher seine Unterstützung bei früheren Wahlen.
„Die eigentliche Herausforderung besteht darin, herauszufinden, wen man befragen muss – und wer am Wahltag tatsächlich seine Stimme abgeben wird“, warnt US-Politologin Katherine Haenschen von der Northeastern University.
Teuerste „Midterms“ jemals
Beide Seiten lieferten sich eine gigantische Geldschlacht: Über die TV-Bildschirme flimmerte eine Flut teils hämmernder Angriffsspots gegen politische Gegner. Allein im Oktober flossen rund vier Milliarden Dollar in politische Werbung.
Auch die Wähler sind mobilisiert: Mehr als 50 Millionen Amerikaner gaben bereits bei der vorzeitigen Stimmabgabe („Early Voting“) ihre Stimme ab – mehr noch wählen heute. Danach beginnt für beide Parteien, Amerika und die Welt, das bange Warten auf das Ergebnis: Haben die US-Wähler Trump tatsächlich abgestraft?