Ankara – Vor dem wichtigen Nato-Gipfel in der Türkei versucht Generalsekretär Mark Rutte (59) offenbar alles, um US-Präsident Donald Trump (80) bloß nicht zu verärgern. Nach den Drohungen, sich aus dem Verteidigungsbündnis zurückzuziehen, betont „Trump-Flüsterer“ Rutte die Einheit zwischen Europäern und Amerikanern. Der Gipfel der Besänftigung: Im Interview mit Trump-Reporterin Dasha Burns will Rutte nicht einmal den WM-Aufreger um die zurückgenommene Rote Karte gegen die USA kommentieren.
Zuvor hatte Rutte im Gespräch mit POLITICO-Reporterin Dasha Burns, die auch für BILD über Trump berichtet, erneut versprochen, dass die Nato-Mitglieder bis 2035 ihre Verteidigungsausgaben auf jeweils 5 Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts erhöhen werden. „Seit Eisenhower“ hätten amerikanische Präsidenten versucht, die Verteidigungsausgaben zwischen den USA und Europa anzugleichen. „Trump erreicht das jetzt“, so Rutte.
Er verstehe aber auch, dass Trump wegen der geringen Unterstützung im Krieg gegen den Iran „in Einzelfällen enttäuscht“ sei, gab der Niederländer im Gespräch mit Dasha Burns zu. Aber: „Insgesamt hat Europa die USA massiv unterstützt“, so Rutte. Am Ende könnten sich die USA auf „absolute“ Loyalität verlassen – und Trump sich auf Rutte: „Ich mag den Mann einfach“, schwärmt der Nato-Chef.
Rutte: Keine Spannungen zwischen USA und Europa
Spannungen zwischen den USA und Europäern will Rutte nicht sehen. Die Frage, ob es seit dem vergangenen Jahr Veränderungen gegeben habe, verneint er glatt: „Überhaupt nicht.“ So sei etwa der G7-Gipfel „eine große Erfolgsgeschichte“, bei dem alle Regierungschefs „einschließlich Präsident Trump“ zu einer gemeinsamen Position zur Ukraine gekommen seien.
Den Gipfel im Trump-Kuscheln erreicht Rutte am Ende des Interviews, als Burns auf die Fußball-WM in den USA zu sprechen kommt. Trump hatte nach einer Roten Karte gegen US-Stürmer Folarin Balogun (25) mit Fifa-Boss Gianni Infantino (56) telefoniert. Die Fifa hatte die Sperre danach ausgesetzt, die USA flogen im Achtelfinale gegen Belgien trotzdem raus.
Rutte guckt keine WM mehr
Selbst bei diesem Thema redete sich Rutte – obwohl selbst Fußballfan – raus. Er habe das Spiel nicht gesehen, behauptet er. Und hat als Niederländer auch gleich eine passende Begründung parat. „Seine“ Nationalmannschaft war ein paar Tage vorher ausgeschieden, davor schon Curaçao als Teil des niederländischen Königreichs. Deshalb habe er „im Grunde aufgehört, die Weltmeisterschaft zu verfolgen“, so Rutte.