Landshut (Bayern) – Um Mitternacht gellten verzweifelte Rufe eines Kindes (13) durch die Straßen im niederbayrischen Wallersdorf: „Polizei! Polizei! Meine Mama wird gerade abgestochen!“ Als die Beamten sieben Minuten nach dem Notruf eintrafen, war Kristin B. (38) bereits tot. Ihr Mann Juri B. (46) hatte ihr aus Eifersucht unzählige Male in den Kopf gestochen.
Seit Donnerstag muss sich der Handwerker wegen Mordes vor dem Landgericht Landshut verantworten. Nur zwei Monate vor der Tat an Weihnachten 2025 hatte sie ein Kontaktverbot gegen ihren aggressiven Mann erwirkt, der offenbar selbst nach der Trennung glaubte, über ihr Leben bestimmen zu können.
Angeklagter lastet Opfer eigenständiges Leben an
Die Schuld für das Verbrechen wälzt der Angeklagte vor Gericht auf sein Opfer ab und offenbart sein Besitzdenken: „Meine Frau sollte sich um die Buchhaltung meiner Firma kümmern, doch hatte jahrelang keine Steuererklärung eingereicht. Stattdessen vertrieb sie erfolglos Wasserstaubsauger, während sie mich aus dem Haus werfen ließ, ich im Auto schlafen und von 100 Euro im Monat leben musste.“
Dabei war der Grund für das kurz vor der Tat erwirkte Kontaktverbot eindeutig: „Er drohte ihr mehrfach, sie zu erschlagen, wenn sie fremdgehe“, so Staatsanwältin Maria Offenbeck.
Sohn (13) stellt sich Vater mit Messer entgegen
Am Tatabend lauerte Juri B. auf seine Ex-Frau in Wallersdorf (Bayern), bis sie von ihrem neuen Freund heimkam. Als er sie in den Schwitzkasten nahm, wollte der 13-jährige Sohn seine Mutter noch retten, stellte sich dem Vater mit einem Brotmesser entgegen. Dadurch konnte sich Kristin B. zunächst befreien und flüchten. Die Staatsanwältin: „Der Angeklagte schlug ihm mit der Faust ins linke Auge, entriss ihm gewaltsam das Messer und rannte der Geschädigten hinterher.“ Ein paar hundert Meter weiter holte er Kristin B. ein und stach zu.
Vor der Tat ging der Handwerker laut Anklage planvoll vor: Er nahm den Kindern die Handys ab, damit sie die Mutter nicht warnen konnten. Trotzdem will er einen Blackout gehabt haben: „Die Ausführung der Messerstiche ist in meiner Erinnerung nicht mehr vorhanden. Aber das Bild, wie meine Frau tot auf den Zaun sackte, habe ich immer noch vor Augen. Ich höre heute noch eine Stimme rufen: ‚Was hast du gemacht, was hast du getan?‘“ Kurz darauf konnte ihn die Polizei widerstandslos festnehmen.
Angeklagter entschuldigt sich vor Gericht
Im Prozess entschuldigte sich Juri B. am Donnerstag bei seinen drei Kindern: „Sie haben mitbekommen, was ich getan habe. Ich habe nicht nur die Frau getötet, die ich einmal geliebt habe, ich habe auch meinen drei Kindern die Mutter genommen.“ Die Söhne sind bis heute traumatisiert: Der Sechsjährige machte der ersten Polizistin am Tatort die Stichbewegungen vor, die er wahrgenommen hatte.
Ein Urteil will Richter Ralph Reiter am 14. Juli verkünden. Juri B. droht lebenslange Haft.