Washington/Teheran – Donald Trump (80) hatte wohl einen schnellen Sieg gegen den Iran erwartet: eine Enthauptung des Regimes mit der Tötung von Ober-Mullah Ali Chamenei (†86). Danach: rasche Kapitulation der Hardliner-Regierung, Einstellung des Atomprogramms, vielleicht sogar ein Volksaufstand. Doch jetzt, 132 Tage später, steckt eher der US-Präsident selbst in einer neuen Nahost-Falle fest. Trump will den Krieg wieder loswerden – doch er kann es nicht.
Dabei kam bereits fast jede Taktik zum Einsatz: ein zwölfwöchiger Luftkrieg gemeinsam mit Kriegspartner Israel. Dann ein Waffenstillstand. Danach eine gegenseitige Absichtserklärung für Friedensverhandlungen („Memorandum of Understanding“, MOU), sogar eine Lockerung der Sanktionen. Doch die bittere Realität sieht jetzt offenbar so aus: zurück an den Start!
Trump: Zwischen Drohungen und Hoffnung
Die US-Streitkräfte flogen in zwei Nächten Angriffe gegen 170 iranische Ziele. Der Iran feuerte Raketen auf US-Basen am Golf. Mittendrin Trump mit einem erratischen Zickzackkurs: Erst lobte er die neue Führung unter Chamenei-Sohn Modschtaba (56) als „rational“, zuletzt beschimpfte er sie als „Abschaum“, als Lügner, deren Wort nichts wert sei. Dazwischen: wilde Drohungen, dann wieder Hoffnungssignale für eine friedliche Lösung.
Neue Schlacht um die Straße von Hormus?
„Quagmire“ nennen die Amerikaner Kriege, die sich festfahren – der berühmteste: Vietnam, später auch der Irakkrieg. Trumps Iranoffensive wirkt bereits wie ein solches Schlamassel. Und strategisch besonders bitter: Eigentlich wollte Trump verhindern, dass die Mullahs eine Atombombe bauen, wie er ständig betont.
Jetzt muss er zusätzlich ein Problem lösen, das es vor dem Krieg gar nicht gab: Erneut droht die Schlacht um die nun offenbar wieder blockierte Ölroute durch die Straße von Hormus! Nach iranischen Angriffen schafften am Donnerstagmorgen nur zwei Tanker die Passage. Der Irankrieg verkompliziert dazu Trumps gesamte Nahostpolitik: Die von Irans Gegenschlägen und Ölblockaden betroffenen Golfstaaten schäumen.
Experte: Weißes Haus hat Teheran unterschätzt
„Trump hat die Macht der USA überschätzt, den Iran unterschätzt – und erwartet, Teheran werde einknicken wie zuvor Venezuela“, sagt US-Politologe Scott Erb zu BILD. Der US-Präsident habe anfangs offenbar nicht glauben wollen, dass der Iran standhält, fügt er an: „Daher kamen seine bombastischen Drohungen!“
Für Erb sieht der Ausblick für das Weiße Haus trist aus. Denn innenpolitisch wächst der Druck: Der unpopuläre Krieg treibt die Preise nach oben. „Dieser Krieg könnte tatsächlich Trumps Präsidentschaft versenken und ihn zur lahmen Ente machen“, erwartet er. Der Sinkflug in den Umfragen sei dafür ein erstes Indiz, so Erb. Auch Trumps Republikaner bieten ihm immer öfter die Stirn. Der frühere US-Militärgeheimdienstler Michael Pregent warnt jedenfalls gegenüber BILD: „Die größte Gefahr ist, dass dieser Krieg am Ende für nichts geführt wurde.“