Berlin – Wie gespalten sind die USA wirklich? Wie zufrieden sind die Menschen mit Donald Trump? Und was kann Deutschland von Amerika lernen? Deutschlands bekanntester Talkmaster Markus Lanz ist für eine ZDF-Reportage („Amerika ungeschminkt: Was kommt nach Trump?“) durch die USA gereist.
Wenige Tage vor den entscheidenden Midterm-Wahlen am Dienstag erzählt Lanz im Podcast von Paul Ronzheimer von Begegnungen mit Trump-Anhängern und -Gegnern, dem Missverständnis über die vermeintliche Spaltung des Landes – und was Deutschland von den USA lernen könnte.
Lanz widerspricht dem Bild einer gespaltenen Gesellschaft, in der Demokraten und Republikaner kaum noch miteinander sprechen. Wir sind da manchmal zu leichtfertig mit dem Wort Spaltung“, sagt er. „Die sind nett zu ihrem Nachbarn und reden miteinander, die beschäftigten sich sehr intensiv mit Politik, aber laden die dich dann zu einer Grillwurst ein und sagen: ‘Komm mal rein, jetzt lass uns mal was essen und ein Bier trinken.’ Und das erlebst du ja hier in Deutschland auch.“
Was Lanz besonders beschäftigt: der unerschütterliche Glaube an den amerikanischen Traum. Eine Anekdote verdeutlicht für ihn, worin sich Amerikaner und Deutsche unterscheiden. Er berichtet von einem Klempner, der in einem früheren Wahlkampf gefragt wurde, ob Millionäre stärker besteuert werden sollten. Seine Antwort: „Nee, lieber nicht.“ Die Begründung: „Vielleicht bin ich ja morgen selber Millionär.“
„Die Zahlen an den Grenzen zu Mexiko sind einfach praktisch auf Null“
Auch über Wahrnehmung Donald Trumps hat Lanz auf seiner Reise viel gelernt. Besonders beim Thema Migration sieht er einen Grund für dessen Unterstützung. „Die Zahlen an den Grenzen zu Mexiko sind einfach praktisch auf Null. Das ist das zentrale Wahlversprechen und das hat er eingelöst“, so Lanz. Nur „die Art und Weise, wie er es gemacht hat – damit sind auch viele Amerikaner mittlerweile nicht mehr einverstanden“, berichtet er über die teils brutalen Einsätze der Abschiebe-Agenten in amerikanischen Städten.
Gleichzeitig befürworten auch viele legale Migranten, etwa aus Kuba, das Vorgehen der US-Regierung bei Abschiebungen. „Das zieht Trump in einer unglaublichen Härte einfach durch. Und das führt dann dazu, dass Kubaner sagen: ‘Ja, ich bin doch legal hier reingekommen. Mir passiert nichts.’ Die sind damit völlig einverstanden.“
„Beim normalen Amerikaner kommt davon nicht viel an“
Ein weiteres Thema von Lanz’ Reise: die Wirtschaft. Trotz starken Wachstums hätten viele Amerikaner das Gefühl, davon kaum zu profitieren. Der Journalist erkennt den KI-Boom an, sagt aber: „Beim normalen Amerikaner kommt davon nicht viel an.“ Mehr noch: Er glaubt, dass künstliche Intelligenz zum entscheidenden politischen Thema werden könnte. „Ich glaube, dass der nächste Präsidentschaftswahlkampf in Amerika um die Frage gehen wird, wer beschützt uns vor KI?“ Die Menschen ärgerten sich über steigende Strompreise und den enormen Energiebedarf neuer Rechenzentren.
Am Ende seiner Reise überwiegt bei Lanz allerdings nicht die Sorge, sondern der Optimismus. „Ich glaube, wir können viel aus Amerika lernen. Vor allem eine gewisse Gelassenheit.“
Der deutsche Journalist resümiert: „Wir verharren zu viel in so einer Angststarre. Ich habe das Gefühl, die Amerikaner haben jetzt viele Jahre Wahnsinn hinter sich. Und mein Eindruck ist: Das wird sich irgendwie wieder zurecht rütteln. Das ist meine tiefe Überzeugung.“