Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig stoppte im vergangenen Oktober den geplanten Bau der A26 Ost, nachdem die Umweltverbände BUND und Nabu dagegen geklagt hatten. Noch dieses Jahr aber könnte die Realisierung der insgesamt 9,7 Kilometer langen Autobahn am südlichen Hamburger Hafenrand starten. „Ich hoffe, dass wir im Herbst wieder nach Leipzig gehen können“, sagte Hamburgs Wirtschaftssenatorin Melanie Leonhard (SPD) am Donnerstag.
Die Fernstraßengesellschaft Deges des Bundes und der Länder überarbeitet derzeit den Planfeststellungsbeschluss der Hamburger Wirtschaftsbehörde vom vergangenen Jahr. Das Bundesverwaltungsgericht hatte moniert, dass die planenden Institutionen nicht alle möglichen Trassenvarianten im Sinne des Bundes-Klimaschutzgesetzes ausreichend geprüft hatten. Leonhard wiederum kritisierte, dass die Urteilsbegründung des Gerichts erst zu Beginn dieses Jahres vorgelegen habe. Erst daraus habe die ausführende Deges entnehmen können, was im Detail nachzubessern sei.
Die A26 Ost als geplante Querverbindung zwischen den Autobahnen A7 und A1 soll den Hafenverkehr in Hamburg und den Straßenverkehr im südlichen Hamburger Raum erheblich entlasten. Große Bedeutung hat die neue Autobahn auch, weil die Köhlbrandbrücke als wichtigste Querverbindung innerhalb des Hafens marode ist. Sie soll bis Anfang der 2040er-Jahre durch einen Neubau ersetzt werden. Die A26 Ost wäre bereits Anfang der 2030er-Jahre fertig.
Leonhard berichtete gemeinsam mit Jens Meier, dem Chef der Hafenverwaltung Hamburg Port Authority (HPA), bei ihrem diesjährigen „Hafentag“ für die Medien über den Stand großer Projekte im Hafen. Meier sagte, die HPA tue alles, was möglich und sinnvoll sei, um die in ihrer Bausubstanz schwer angegriffene Köhlbrandbrücke bis zur Fertigstellung des neuen Bauwerks in Betrieb zu halten. Dazu zählen neben permanenten Reparaturmaßnahmen auch die Begrenzung auf ein Höchstgewicht von 44 Tonnen für Lkw, ein Tempolimit, ein Abstandsgebot und ein Überholverbot auf der Brücke.
Es gebe „etwa 180 Überschreitungen in der Woche“ mit Lastwagen, die schwerer als 44 Tonnen seien. Die HPA weiß dies, weil vor Jahren eine Waage in die Brücke eingebaut worden war. Allerdings werden Gewichtssünder nur dann tatsächlich ertappt und mit Geldbußen belegt, wenn die Polizei stichprobenartige Kontrollen auf der Brücke durchführt. „Wir appellieren an die Verbände und an die Logistikunternehmen, sich an die Gewichtsbeschränkung zu halten“, sagte Meier. Die HPA arbeite laufend daran, mehr und bessere Ausweichstrecken für Schwertransporte innerhalb des Hafens zu ertüchtigen.
Größtes Einzelprojekt bei der Modernisierung des Hamburger Hafens – des größten deutschen Seehafens – ist die Automatisierung des Eurogate Container Terminals Hamburg (CTH) in Waltershof und dessen geplante „Westerweiterung“ bis Mitte der 2030er-Jahre. „Wir sind bereits mittendrin in diesem Projekt und warten damit nicht auf die Westerweiterung“, sagte CTH-Geschäftsführer Johannes Stelten am Donnerstag. „Dabei setzen wir auch Technologien ein, die in der Containerbranche heutzutage noch nicht gang und gäbe sind.“
Eurogate investiert in die komplette Automatisierung des – künftig erweiterten – Terminals bis zu einer Milliarde Euro. Die Investition der Stadt für die Herrichtung der Terminalfläche und der Erweiterung des Drehkreises am Waltershofer Hafen beläuft sich auf 1,1 Milliarden Euro. Leonhard erwartet, dass die Westerweiterung in Hamburg zusätzlich etwa 3400 hafenbezogenen Arbeitsplätze hervorbringen wird und eine jährliche Wertschöpfung von 720 Millionen Euro.
Olaf Preuß ist Wirtschaftsreporter von WELT und WELT AM SONNTAG für Hamburg und Norddeutschland. Zu seinen Themenschwerpunkten zählen die Hafenwirtschaft und die Verkehrs-Infrastruktur.