Alarm bei einem bedeutenden freien Sozialträger: Die Arbeiterwohlfahrt (AWO) Bielefeld hat Insolvenz in Eigenverwaltung angemeldet. Das Amtsgericht Bielefeld hat dem Antrag des großen Kreisverbands und seiner Tochtergesellschaft AWO Bielefeld Soziale Dienstleistungen gGmbH stattgegeben.
Mit dem Verfahren will sich der Wohlfahrtsverband wirtschaftlich neu aufstellen und die finanzielle Schieflage überwinden. Gleichzeitig sollen alle Angebote uneingeschränkt weiterlaufen. Von der Insolvenz betroffen sind rund 800 Mitarbeiter, heißt es in einer Mitteilung. Für sie gibt es erst einmal Entwarnung: Ihre Löhne sind für Juli bis September über das Insolvenzgeld der Bundesagentur für Arbeit abgesichert. Danach sollen die Personalkosten wieder vom Kreisverband getragen werden. Der AWO-Kreisverband Bielefeld (NRW) zählt zu den größten Anbietern sozialer Dienstleistungen in der Region.
Die Gründe für die Insolvenz des Sozialträgers
Der Verband macht die schwierige Lage in der Sozialbranche verantwortlich. In den vergangenen Jahren stiegen die Kosten für Personal, Energie und Dienstleistungen deutlich an. Das große Problem: Die AWO muss viele Leistungen zunächst aus eigener Tasche bezahlen und bekommt das Geld oft erst Monate später von den Kostenträgern zurück. Die Folge waren immer größere Finanzlöcher und akute Engpässe in der Kasse. Auf eine BILD-Anfrage, wie hoch die Schulden beziehungsweise die Finanzierungslücke sind, die zur Insolvenzanmeldung geführt haben, reagierte der Vorstand der Hilfsorganisation nicht.
Wie es jetzt für den Verband weitergeht
Jetzt kommen alle Angebote und Einrichtungen des Verbands auf den Prüfstand. Ziel ist es, die Finanzen wieder zu stabilisieren und die AWO zukunftsfähig aufzustellen. Dabei soll überprüft werden, welche Bereiche wirtschaftlich tragfähig sind. Erste Maßnahmen wurden nach Angaben des Verbandes bereits vorbereitet und sollen nun umgesetzt werden.
Was passiert mit den Mitarbeitern?
Gegenüber BILD betonen die Vorstände, dass an sämtlichen Angeboten und damit auch an den Arbeitsplätzen festgehalten werden soll. Von Standortschließungen oder Kürzungen bei Dienstleistungen sei derzeit nicht die Rede. „Unsere Angebote laufen uneingeschränkt weiter. Niemand muss sich Sorgen machen“, erklären die Vorstandsmitglieder Kirsten Hopster und Markus Wrobbel. Beide bleiben während des Insolvenzverfahrens im Amt.