Wien – In der ersten Reihe der Wiener Hofburg sitzen Ungarns ehemaliger Ministerpräsident Viktor Orbán (63), der niederländische Rechtspopulist Geert Wilders und AfD-Chefin Alice Weidel (47) nebeneinander. Zum 70. Geburtstag der Freiheitlichen Partei Österreichs (FPÖ) hat Parteichef Herbert Kickl (57) Politiker rechter und rechtspopulistischer Parteien aus ganz Europa nach Wien geladen. Kickl spricht von einigen der „wichtigsten und bedeutendsten patriotischen Politiker Europas“. Tatsächlich liest sich die Gästeliste wie ein Gipfeltreffen der europäischen Rechtsaußen-Parteichefs.
Alice Weidel macht ihren Besuch auch auf X öffentlich. „Liebe Grüße aus Wien, wo wir heute den 70. Geburtstag der FPÖ feiern!“, schreibt die AfD-Chefin. Bei ihrem Grußwort auf der Bühne lobt Weidel Kickl als künftigen „Volkskanzler“. Die FPÖ sei für die AfD „Inspiration und Ansporn“.
Das veröffentlichte Foto zeigt Weidel neben Geert Wilders. Der Niederländer zählt zu den bekanntesten Rechtspopulisten Europas. Bekannt wurde er durch scharfe Angriffe auf den Islam und Forderungen nach Einwanderungsbegrenzung. Bei seinem Auftritt in Wien erklärt Wilders, Österreich habe „einen Herbert Kickl als Bundeskanzler verdient“. Die „Systemparteien“ hätten das bislang verhindert.
Orbán gratuliert der FPÖ
Ebenfalls in Wien ist Viktor Orbán, der vielen rechten Parteien als Vorbild dient. Orbán steht für einen nationalkonservativen Kurs, eine harte Migrationspolitik und den Anspruch, nationale Interessen über die der EU zu stellen. In seiner Rede sagt Orbán: „Österreich gehört dem österreichischen Volk.“ Patriotische Parteien würden derzeit in vielen europäischen Ländern an Zustimmung gewinnen.
Kickl mit Kampfansage an das „System“
FPÖ-Chef Herbert Kickl nutzte den Festakt für eine politische Grundsatzrede. Dabei griff er seine Gegner scharf an und warf ihnen einen „fanatischen“ Eifer gegen die FPÖ vor. Als gesellschaftliches Idealbild für Österreich nannte er „Homogenität und Identität“. Zudem bezeichnete er die Freiheitlichen als den „wahren Verfassungsschutz in Österreich“ und bekräftigte sein Ziel, eines Tages als „Volkskanzler“ ins Kanzleramt einzuziehen.
Volksfest vor dem Stephansdom löst Kritik aus
Für Diskussionen sorgt nicht nur die Gästeliste. Kritik gibt es auch am Veranstaltungsort des öffentlichen Teils der Feierlichkeiten. Das „Volksfest“ findet direkt vor dem Stephansdom statt. Die FPÖ nutzt seit Jahren christliche Symbolik und religiöse Sprache in ihrer politischen Kommunikation. Dafür wurde sie wiederholt von Vertretern der katholischen Kirche kritisiert.