München/Tirana (Albanien) – Der Protest gegen ein umstrittenes Milliarden-Projekt von Jared Kushner erreicht Deutschland: Nach Demonstrationen in Albanien haben Aktivisten für Freitagabend Kundgebungen in Berlin und München angekündigt. Sie wollen gegen das geplante Luxusresort an der albanischen Küste und mögliche Eingriffe in geschützte Naturgebiete protestieren. Mittlerweile ermittelt die Anti-Korruptions-Staatsanwaltschaft.
Im Zentrum steht Jared Kushner (45), Ehemann von Ivanka Trump (44) und Schwiegersohn von US-Präsident Donald Trump. Über seine Investmentfirma Affinity Partners will er ein Luxusresort an der Adriaküste entwickeln. Auf der Insel Sazan vor der Hafenstadt Vlora soll ein Projekt im Wert von rund 1,4 Milliarden Euro entstehen.
Ivanka Trump kam die Kauf-Idee beim Schwimmen
Die Idee kam Ivanka Trump beim Schwimmen, als sie mit Kushner auf dem Boot eines Freundes vor der Insel unterwegs war, sagte sie in einem Podcast. Sazan ist 5,7 Quadratkilometer groß, so groß wie fast 800 Fußballfelder.
Bemerkenswert: Die albanische Regierung hat Kushner Ende 2024 den Status eines „strategischen Investors“ verliehen. Dieser Sonderstatus ist Projekten vorbehalten, die als besonders wichtig für die wirtschaftliche Entwicklung des Landes gelten. Er ermöglicht beschleunigte Genehmigungs- und Verwaltungsverfahren sowie eine enge Unterstützung durch staatliche Stellen.
Der umstrittene Ministerpräsident Edi Rama (61) feiert die Pläne als historische Chance für Wirtschaft und Tourismus. Zydjon Vorpsi von der Umweltorganisation PPNEA zu BILD: „Albanien ist vor allem für seine wilden Lebensräume und seine Natur bekannt. Die nun vorgestellte Vision ist jedoch genau der Weg, das eigene touristische Potenzial zu zerstören.“
Naturschutzgesetze für Projekt geändert?
Brisant: In unmittelbarer Nähe liegt das geschützte Küstengebiet Vjosa-Narta bei Zvernec – eines der wichtigsten Feuchtgebiete Europas. Dort leben Flamingos, Pelikane und zahlreiche geschützte Vogelarten. Vorpsi: „Die Heimat Tausender Brut- und Zugvögel und Schauplatz einzigartiger Landschaften wird vernichtet. Trump wird Wohnhäuser an einem wunderschönen Strand errichten – und diese dann zu sehr hohen Preisen verkaufen können.“
Für zusätzlichen Zündstoff sorgte eine Gesetzesänderung für Schutzgebiete. Die Region Vjosa-Narta steht seit 2004 unter Schutz, der durch ein weiteres Gesetz im Jahr 2017 noch gestärkt wurde. Im Frühjahr 2024 wurde das Gesetz geändert, damit Hotels in Naturschutzgebieten errichtet werden können.
Für den EU‑Beitrittskandidaten Albanien nicht unproblematisch: Die EU kritisierte das Vorgehen und sprach davon, dass die Gesetzesänderung im „Widerspruch zu den EU-Standards“ stehe. Vorpsi: „Nun wird das Trump-Projekt vorangetrieben, ohne die erforderlichen Verfahren einzuhalten. Offenbar um Fakten zu schaffen, bevor die von der EU geforderten Auflagen erfüllt werden.“
Wasserwerfer gegen Demonstranten
Ende Mai rückten Bagger an der Küste an. Vorpsi: „Ohne öffentliche Anhörung, ohne Konsultation und ohne auch nur den Hauch einer Baugenehmigung sind schwere Baumaschinen in das Schutzgebiet Pishë Poro–Nartë eingedrungen, haben den Wald gerodet und die Sanddünen jenes Gebiets zerstört, das eigentlich eine streng geschützte Zone sein sollte!“
Rama will das Projekt auf jeden Fall realisieren: „Es gibt absolut keine Chance, dass die Investition gestoppt wird, solange ich hier bin.“ Um das Bauvorhaben durchzusetzen, ließ die Regierung Zäune und Stacheldraht errichten. Videos von Journalisten zeigen, wie private Sicherheitsdienste gegen Demonstranten vorgehen.
In der Hauptstadt Tirana geht die Regierung hart gegen die eigene Bevölkerung vor. Am Mittwoch hat die Polizei Wasserwerfer eingesetzt. Dabei wurden auch mehrere Menschen verletzt. Albaniens Anti-Korruptions-Staatsanwaltschaft SPAK ermittelt mittlerweile wegen des Deals. Eine BILD-Anfrage ließ die albanische Regierung bisher unbeantwortet.