Rom/Madrid – Der Migranten-Ansturm auf die spanische Exklave Ceuta bringt Europa an den Rand eines diplomatischen Eklats. Nachdem binnen weniger Tage mehr als 1500 Migranten die nordafrikanische Exklave erreicht hatten, fordert Italien jetzt drastische Konsequenzen: Spanien soll aus dem Schengen-Raum ausgeschlossen werden! Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni reagierte auf die Bilder aus Ceuta entsetzt. Sie nannte sie „schockierend“ und machte eine unmissverständliche Ansage: „Italien wird nicht tatenlos zusehen.“
Noch weiter ging ihre Ankündigung auf X. Nach Beratungen mit den zuständigen Behörden sei ihre Regierung „bereit zu handeln, auch durch außergewöhnliche Maßnahmen (...) wie etwa das Aussetzen des Schengen-Abkommens mit Spanien“. Auch Außenminister Antonio Tajani (72) verschärfte den Ton. Die „irreguläre und unkontrollierte Einwanderung“ stelle „eine Gefahr für die nationale Sicherheit“ dar. Deshalb erhöht Rom jetzt den Druck auf Madrid.
Spanien reagierte empört. Die Regierung bestellte den italienischen Botschafter ein. Außenminister José Luis Alvarez (54) warf Rom vor, die Migration für innenpolitische Zwecke zu missbrauchen. Solche Äußerungen seien „unangemessen“ für „ein befreundetes Partnerland“. Madrid erwarte stattdessen „europäische Solidarität und nicht parteipolitische Demagogie“.
Lage in Ceuta weiter angespannt
Auslöser des Streits ist die dramatische Lage in Ceuta. Innerhalb weniger Tage erreichten mehr als 1500 Migranten die spanische Exklave an der Grenze zu Marokko. Mindestens neun Menschen kamen beim Versuch ums Leben, die Küste schwimmend zu erreichen.
Die Lage vor Ort spitzt sich weiter zu. Ceutas Regionalpräsident Juan Jesús Vivas (73) hatte schon am Donnerstag gewarnt: „Wir befinden uns in einer Situation des totalen humanitären und sozialen Notstands.“ Jetzt legte er nach: „Heute ist die Lage noch schlimmer: noch mehr Ankünfte, überlastete Einrichtungen und ein weiteres auf See verlorenes Leben.“
Madrid reagiert inzwischen mit einem Militäreinsatz. Die Armee soll die Polizeieinheit Guardia Civil an der Grenze unterstützen. Zudem wird die Zahl der Beamten in Ceuta nahezu verdoppelt.
Ministerpräsident Pedro Sánchez (54) erklärte, seine Regierung habe „alle notwendigen Mittel mobilisiert“, um „eine sofortige Antwort auf die Situation in Ceuta zu geben“. Innenminister Fernando Grande-Marlaska (64) sprach von einer „vorbildlichen“ Zusammenarbeit mit Marokko. Beide Länder wollten „so bald wie möglich Maßnahmen“ ergreifen, um illegal eingereiste Migranten nach Marokko zurückzubringen.