Berlin – Hacker könnten neue Sicherheitslücken bald schon wenige Stunden nach ihrer Entdeckung ausnutzen. Davor warnt BSI-Vizepräsident Thomas Caspers (55) im Gespräch mit BILD.
Der Grund: künstliche Intelligenz. „Die Zeit von der Entdeckung einer Schwachstelle bis zu ihrer Ausnutzung – wir nennen das Time to Exploit – ist in den letzten Monaten drastisch gesunken“, sagt Caspers. „Durch den Einsatz von KI wird diese Zeitspanne auf 0 Tage sinken. Es wird dann nur noch Stunden dauern, bis Angreifer Cyberangriffe auf neue Schwachstellen durchführen können.“
Mittwoch: Schock für die IT-Welt
Wie real die Gefahr ist, zeigt diese Woche. Am Mittwoch wurden zwei kritische Sicherheitslücken in der Programmiersprache PHP öffentlich. Über PHP laufen rund 70 Prozent aller Webseiten weltweit, darunter Systeme wie WordPress. Die Lücken erlauben es Angreifern, aus der Ferne und ohne Anmeldung Schadcode auf Webservern auszuführen. Weltweit nahmen Behörden und Unternehmen ihre Seiten vorsorglich vom Netz. Noch am selben Tag erschien ein Update.
Seit Bekanntwerden registrieren das BSI und Andere Angriffsversuche „im zweistelligen Millionenbereich“. Die gute Nachricht: Bislang sieht das BSI in Deutschland keine großflächige Ausnutzung und keine erfolgreichen Angriffe mit Datenabfluss. Aber: „Wir sind noch nicht über den Berg“, sagt Caspers. Noch immer laufen zahlreiche Webseiten auf alten PHP-Versionen.
Entwarnung? Fehlanzeige.
„Die Angriffe werden schneller und heftiger“
Cyber-Großalarme wie diese Woche könnten künftig häufiger werden. „Wir müssen damit rechnen, dass wir in einer engeren Taktung mit solchen Vorfällen konfrontiert sind.“ Mit KI könnten Angreifer deutlich schneller und sehr viele Systeme gleichzeitig attackieren. Er warnt: „Die Angriffe werden schneller und heftiger.“ Auch die KI-Firmen nimmt der BSI-Vize in die Pflicht. Sie müssten ihre Modelle so absichern, dass sie „nur dafür genutzt werden können, um IT-Infrastrukturen abzusichern und Angriffe nicht noch zusätzlich unterstützen“.
Können wir dem Internet überhaupt noch vertrauen? Caspers bleibt optimistisch. Nutzer könnten sich weiter sicher im Netz bewegen, sollten dem Internet allerdings mit einem „gesunden Misstrauen“ begegnen. Eine Garantie gibt auch das BSI nicht. Caspers: „Natürlich gibt es nie hundertprozentige Sicherheit im Leben.“