Berlin – Maschinenpistolen vor Deutschlands wichtigstem Geheimdienst: Rund um die Berliner BND-Zentrale wurden die Sicherheitsmaßnahmen sichtbar verschärft. Laut Insidern sollen auf diese Weise ungebetene Gäste auf Abstand gehalten werden. Hintergrund sind zahlreiche Vorfälle, die die Sicherheitsbehörden alarmieren. Besonders aufmerksam wurden die Mitarbeiter nach einem ungewöhnlichen Ereignis im Frühjahr vergangenen Jahres.
Mehrere ausländische Männer tauchten laut einem WDR-Bericht wiederholt im Eingangsbereich der BND-Zentrale auf. Dem Wachpersonal erklärten sie wahlweise, sie seien auf der Suche nach dem nahegelegenen Bundeswehrkrankenhaus oder hätten sich verlaufen. Solche Vorfälle wiederholten sich demnach mehrfach. Das Wachpersonal wurde misstrauisch und informierte die Polizei. Auch Aufnahmen der Überwachungskameras wurden ausgewertet.
Ergebnis: Einige der Männer waren der Polizei bereits bekannt – sie stammen aus dem tschetschenischen Milieu. Warum sie beim Geheimdienst auftauchten, ist bislang unklar. Sicherheitskreisen zufolge soll der Vorfall aber mit dazu beigetragen haben, dass die interne Bedrohungsstufe für die BND-Zentrale vor einigen Monaten erhöht wurde.
Mitarbeiter sollen wachsam sein
Für die Mitarbeiter war das ein deutliches Signal: mehr Wachsamkeit, mehr Aufmerksamkeit, mehr Vorsicht. In internen Warnhinweisen heißt es, jede verdächtige Beobachtung solle gemeldet werden – selbst dann, wenn sie auf den ersten Blick harmlos erscheint. Und nicht nur beim BND, auch beim Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) hat man reagiert. Zu konkreten Maßnahmen wolle man jedoch keine Angaben machen.
Laut WDR soll die Zahl möglicher Ausspähungsversuche gegen Gebäude und Mitarbeiter von BND und BfV deutlich gestiegen sein. BND-Mitarbeiter berichteten zudem, dass ihnen Personen gefolgt seien – teilweise sogar auf dem Heimweg. Manche seien von Unbekannten in auffällige Gespräche verwickelt worden. Der Verdacht: Die angeblichen Touristen oder Passanten wollten gezielt die Sicherheitsvorkehrungen und die Reaktionen des Wachpersonals testen.
Im Fokus russischer Geheimdienste
Ihr Auftraggeber: womöglich russische Geheimdienste. Das BfV teilte mit, dass Mitarbeiter als „Träger von Staatsgeheimnissen“ einem „besonderen Ausforschungsinteresse russischer Nachrichtendienste“ unterlägen. Der BND wollte sich zu den Recherchen nicht äußern. Nach WDR-Informationen beschäftigt sich der BND inzwischen aber mit der Frage, wie die Behörde im Fall einer schweren Krise oder sogar eines Krieges arbeitsfähig bleiben kann.
Die Zentrale in Berlin gilt als besonders gut abgesichert. Sicherheitskreisen zufolge verfügt der Komplex über ein eigenes Kraftwerk, das das Gebäude im Notfall unabhängig mit Strom versorgen kann. Wer das Gebäude betritt, muss durch mehrere Sicherheitsschleusen. Wachleute führen unangekündigte Taschenkontrollen durch. UND: Spezielle Laserschutzfolien schützen die Fenster vor technischen Abhörversuchen.