Kissing (Bayern) – Ein 20-Jähriger verlor am Sonntagabend im Weitmannsee das Bewusstsein und drohte zu ertrinken. Während Retter um sein Leben kämpften, zückten Gaffer ihre Handys – und filmten die dramatische Bergung.
Der junge Mann ging gegen 17 Uhr am Ostufer des Weitmannsees in Kissing (Landkreis Aichach-Friedberg, Bayern) unter. Die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) rückte sofort aus, zog ihn aus dem Wasser und begann mit der Wiederbelebung. Ein Helikopter brachte ihn ins Krankenhaus. Dort starb er.
Laut Polizei war der 20-Jährige zunächst mit einem Freund im Wasser gewesen. Danach ging er noch einmal alleine in den See. Doch offenbar konnte er nicht schwimmen.
Gaffer filmten den Einsatz
Rund 50 Einsatzkräfte der DLRG waren vor Ort, außerdem Feuerwehr, Polizei und Wasserwacht. Und: mehrere Badegäste, die mit ihren Handys den Einsatz filmten und Fotos davon machten. Ein Sprecher der DLRG Augsburg/Aichach-Friedberg zu BILD: „Die Feuerwehr hatte einen Sichtschutz aufgebaut, damit unser Team seine Arbeit machen konnte. Leider ist es inzwischen alltäglich geworden, Menschen in Not zu filmen – auch wenn das ethisch fragwürdig ist.“ Der Sprecher kritisierte zudem, dass solche Aufnahmen oft in den sozialen Medien oder WhatsApp-Chats verbreitet werden.
Dieses Mal sei der Einsatz zwar nicht aktiv gestört worden. „Trotzdem fühlen sich einige Einsatzkräfte unwohl, wenn Schaulustige sie bei der Rettung filmen – während ein Mensch möglicherweise um sein Leben kämpft.“