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Anonyme Chat-Gruppen: Die gefährliche Welt der „Attentäter-Fanszene“

Anonyme Chat-Gruppen: Die gefährliche Welt der „Attentäter-Fanszene“
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Stuttgart – Baden-Württembergs Innenminister Manuel Hagel (38, CDU) will stärker gegen sogenannte „Attentäter-Fanszenen“ vorgehen. Auf der Innenministerkonferenz in Hamburg forderte der Politiker eine intensive Befassung mit digitalen Netzwerken, in denen Terroristen und Amokläufer glorifiziert werden. „Mörder sind keine Märtyrer“, so Hagel zu BILD. Täter würden dort zu Helden stilisiert, ihre Ideologien verbreitet und mögliche Nachahmer beeinflusst.

Wie groß die Gefahr ist, zeigt der Fall des Amokläufers von Graz (Österreich) aus dem Juni 2025. Der 21-jährige Arthur A. nutzte mehrere Online-Accounts und beschäftigte sich intensiv mit früheren Schulmassakern in den USA. Er verherrlichte die Täter des Columbine-Massakers von 1999. Auf einem seiner mutmaßlichen Profile verwendete er sogar ein Foto der Leiche des Columbine-Attentäters Dylan Klebold als Profilbild.

Graz-Attentäter postete Stiefel kurz vor Tat

Auch äußerlich soll sich der Grazer Täter an früheren Amokläufern orientiert haben. Bei seiner Tat trug er schwarze Kampfstiefel. Zwölf Minuten vor dem Angriff veröffentlichte er ein Foto seiner Stiefel auf der Schultoilette. Attentäterin Natalie R. (15) aus Wisconsin (USA) hatte am 16. Dezember 2024 ein ähnliches Bild veröffentlicht. Sie tötete an einer christlichen Privatschule zwei Menschen und dann sich selbst.

Für Hagel sind solche Hinweise Ausdruck einer gefährlichen Entwicklung. „Im Internet existieren längst Szenen, in denen Attentäter nicht als Mörder, sondern als Vorbilder gefeiert werden. Die Anhänger organisieren sich meist anonym in Chatgruppen, Messenger-Kanälen und Online-Foren. Dort werden Gewaltvideos geteilt, Propaganda verbreitet und Täter glorifiziert“, so der CDU-Innenminister. Besonders beunruhigend: In diesen Gruppen bliebe es häufig nicht bei der Bewunderung früherer Täter. Immer wieder würden Gewaltfantasien, Tatabläufe und Anschlagsideen diskutiert.

Als Ursprung digitaler Täter-Kultur gilt das Christchurch-Massaker von 2019. Der Rechtsextremist Brenton Tarrant ermordete damals 51 Menschen in zwei Moscheen in Neuseeland und übertrug die Tat live im Internet. Bis heute wird er in Teilen der Szene verehrt. Sicherheitsbehörden sehen Verbindungen zu späteren Anschlägen wie in Halle (an der Saale). Stephan Balliet ermordete bei einem rassistischen und antisemitischen Anschlag am 9. Oktober 2019 zwei Menschen.

Hagel will IP-Adressen speichern

Hagel fordert nun schärfere Instrumente für die Polizei: „Vor allem die IP-Adressen-Speicherpflicht muss jetzt kommen. Wir brauchen die rechtliche Grundlage für eine Mindestspeicherfrist von IP-Adressen bei den jeweiligen Providern, um straffällige Personen schnell identifizieren zu können. Derzeit ergibt eine Abfrage häufig keinen Treffer, da Provider die notwendigen Daten häufig nur für einen kurzen Zeitraum vorhalten.“

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