Mailand (Italien) – Mitten in Mailand dreht sich alles um einen Stier. Genauer gesagt: um seine Kronjuwelen. Denn sie sind Teil eines Glücksrituals. Doch der damit verbundene Touristen-Ansturm hinterlässt Spuren. Wo einst rosa Fliesen die sensible Stelle zierten, klafft inzwischen ein Krater. Jetzt müssen Handwerker ran: Die Hoden brauchen dringend Pflege!
Tag für Tag strömen Hunderte Touristen in die älteste noch genutzte Einkaufspassage Italiens. Ihr Ziel liegt nicht in einer Boutique, sondern auf dem Boden. Dort prangt das Mosaik eines tanzenden Stiers und mit ihm ein Glücksritual, das bis ins 19. Jahrhundert zurückreicht. Wie es genau entstand, weiß niemand. Doch der Glaube daran hält sich bis heute.
So wurden die Kronjuwelen ramponiert
Wer sich Glück erhofft, stellt die rechte Ferse auf den Hoden des Stiers und dreht sich dreimal im Uhrzeigersinn. Doch aus dem Symbol für Hoffnung ist inzwischen eine kleine Baustelle geworden. Deshalb bekommen die Kronjuwelen jetzt eine Schönheitskur.
„Der Glücksbringer der Galleria hat sich im Laufe der Zeit abgenutzt“, erklären die Stadträte. Die letzte Restaurierung war 2017. Nun soll das Kunstwerk wieder in seinen ursprünglichen Zustand versetzt werden.
Beliebte Touristen-Attraktion ist abgesperrt
Seit Mittwoch ist die Attraktion abgesperrt. Restaurator Gianluca Galli arbeitet direkt vor den Augen zahlreicher Schaulustiger. Er schneidet die kleinen Fliesen von Hand zu, gleicht die Fläche aus und setzt die Steine ein. Während Galli das Abbild des Hodens Stück für Stück rekonstruiert, verfolgt er das Ritual mit gemischten Gefühlen: „Es ist wahrscheinlich eine charmante Geste, aber auch ziemlich schädlich für ein Kunstwerk.“
Auch anderswo in Italien sorgen Grapsch-Rituale für Probleme. In Verona trifft es die Statue von Julia. Besucher berühren dort die Brust der Figur, weil das Glück bringen soll. Die Folge: Die Bronzestatue wurde über die Jahre so stark beansprucht, dass sie sichtbar beschädigt wurde. Wer Julias Bronzefigur heute aus nächster Nähe sehen will, muss deshalb zahlen. Eine ähnliche Gebühr für das Stier-Mosaik in Mailand ist derzeit jedoch nicht geplant.