„Elf Helden – ein Albtraum“ (abzurufen in der ARD-Mediathek) ist die vierteilige Doku über das Scheitern der deutschen Nationalmannschaft bei der Fußball-WM 1994 in den USA.
Muss ich mir insgesamt 180 Minuten über ein kollektives Versagen vor 32 Jahren antun?
JA!
Bundestrainer Julian Nagelsmann lernt, wie heiß es in Amerika werden kann (bis zu 50 Grad). Und dass nicht die Mannschaft mit den besten Spielern Weltmeister wird. Sondern die mit dem besten Zusammenhalt.
Und wir erfahren Hintergründe über den Albtraum ’94, die wir so noch nicht kannten.
Mit zwölf Weltmeistern von 1990 und neuen Stars wie Matthias Sammer und Stefan Effenberg (Foto) war Deutschland der große Favorit. Aber es kam ganz anders: Schon im Viertelfinale war gegen Außenseiter Bulgarien (1:2) Schluss.
Spieler, die mehr an ihre eigenen Interessen dachten als an die Mannschaft. Spielerfrauen, die bei ihren Männern schlafen und mitreden wollten und für ständige Unruhe sorgten. Allen voran Bianca Illgner, die Frau des Torwarts („Die Nationalmannschaft ist frauenfeindlich“).
Und mittendrin Bundestrainer Berti Vogts, der mit all dem hoffnungslos überfordert war.
Mario Basler sagt in der Doku: „Es herrschte Sodom und Gomorrha!“
Thomas Strunz erzählt: „Vor einem Spiel hat Berti Vogts nur zehn Spieler aufgeschrieben. Da mussten wir ihn daran erinnern, dass wir zu elft spielen.“
Und ich erkläre, warum BILD mit Vogts („Berti, bitte geh!“) so hart ins Gericht gegangen ist.
So bleibt bis heute bei den meisten vor allem der „Stinkefinger“ von Effenberg in Erinnerung. In der Hitzeschlacht von Dallas führte Deutschland gegen Südkorea schon 3:0. Als die ausgelaugte Mannschaft nach der Pause zwei Gegentore hinnehmen musste, beschimpften deutsche Fans vor allem Effenberg übel. Und der zeigte den Finger.
Von der Szene gibt es keine TV-Bilder und kein einziges Foto. Aber Effenberg gab alles zu. Und wurde vom DFB und von Vogts nach Hause geschickt.
In der Doku hat er das letzte Wort. Da sagt Effenberg über Vogts: „Das ist einer der besten Bundestrainer, die wir hatten!“ Eine Art öffentliche Versöhnung nach 32 Jahren.
Zwei Jahre später zeigte es Berti Vogts allen und wurde Europameister in England. Aber bei der nächsten WM schied er 1998 nach einem 0:3 gegen Kroatien wieder im Viertelfinale aus. Wenige Wochen später trat er als Bundestrainer zurück.