Senftenberg â FĂŒr die Stadt ist es ein schmerzhafter Einschnitt. Mehr als 100 Jahre lang gehörte das Bahnwerk zu einem Standort, der Eisenbahngeschichte geschrieben hat. Jetzt trennt sich die Deutsche Bahn von ihrem Traditionswerk in Senftenberg. Die EnttĂ€uschung in der Lausitz ist groĂ.
Der Standort im Landkreis Oberspreewald-Lausitz (Brandenburg) steht wie kaum ein anderer fĂŒr die Bahntradition der Region. Die 19 parallel verlaufenden Arbeitsgleise erinnern daran, dass Senftenberg durch die NĂ€he zum Braunkohletagebau fĂŒr Jahrzehnte einer der gröĂten GĂŒterbahnhöfe Deutschlands war. Diese Zeit ist vorbei. Jetzt verkauft die Deutsche Bahn ihr Ausbesserungswerk in Senftenberg.
Was jetzt mit den Mitarbeitern der Bahn passiert
Aktuell arbeiten nur noch wenige Techniker in Senftenberg. Die Bahn spricht von 25 Mitarbeitern. FĂŒr sie sucht die Bahn gemeinsam mit dem Betriebsrat neue Jobs an anderen Standorten.
Wer das Werk ĂŒbernehmen könnte, darĂŒber gibt es noch keine Informationen vom Unternehmen. Laut Bahn befinde man sich âin sehr konkreten VerkaufsgesprĂ€chenâ. Hintergrund ist eine bundesweite Neuordnung der Werkstandorte. Eine Bahnsprecherin zu BILD: âWir passen bundesweit unsere WerkskapazitĂ€ten an den tatsĂ€chlichen Instandhaltungsbedarf an.â
Das sagt der BĂŒrgermeister
Die Nachricht sorgt in Senftenberg seit Monaten fĂŒr Unmut. Stadt, Landkreis und Vertreter der Region hatten sich mehrfach fĂŒr den Erhalt des traditionsreichen Standortes eingesetzt. BĂŒrgermeister Andreas Pfeiffer kritisierte die Entwicklung deutlich: âDie SchlieĂung eines ganzen Standortes sorgt in der Kreisstadt fĂŒr Empörung. In Zeiten des Strukturwandels ist diese WerksschlieĂung ein völlig falsches Signal.â Die Bahn widerspricht einer SchlieĂung. Bis zum Verkauf werde der Standort weiter genutzt.
Das Werk ging bereits 1919 in Betrieb und wuchs mit dem GĂŒterbahnhof Senftenberg, der durch die Braunkohleindustrie immer wichtiger wurde. Zu DDR-Zeiten zĂ€hlte er zu den gröĂten und wichtigsten Verladebahnhöfen auf deutschem Boden.