Verden (Niedersachsen) â Ăber ein Jahr nach dem Prozessbeginn gegen die Ex-RAF-Terroristin Daniela Klette (67) könnte heute das Urteil fallen. Geht es nach dem Willen der Anklage, muss Klette fĂŒr sehr lange Zeit ins GefĂ€ngnis.
Seit MĂ€rz 2025 steht die Ex-Terroristin vor Gericht. FĂŒr den Prozess wurde extra eine ehemalige Reithalle in Verden zum hochsicheren Gerichtssaal umgebaut. Klette lebte ĂŒber 30 Jahre im Untergrund, im Februar 2024 wurde die meistgesuchte Frau Deutschlands in ihrer Wohnung in Berlin festgenommen. Ermittler fanden Waffen, eine Panzerfaust-Attrappe, gefĂ€lschte Ausweise, Gold und 240.000 Euro. Bargeld, das mutmaĂlich Beute der RaubĂŒberfĂ€lle ist, derentwegen Klette vor Gericht steht.
Anklage wegen RaubĂŒberfĂ€llen
Laut Anklage soll die RAF-Rentnerin mit ihren Komplizen Burkhard Garweg (57) und Ernst-Volker Staub (72) zwischen 1999 und 2016 Geldtransporter und SupermĂ€rkte in Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein ĂŒberfallen haben. Letztlich wurden im Prozess acht ĂberfĂ€lle verhandelt, bei denen das Trio insgesamt ĂŒber zwei Millionen Euro erbeutet haben soll. Staub und Garweg sind noch auf der Flucht.
Staatsanwaltschaft fordert 15 Jahre GefÀngnis
Die Staatsanwaltschaft forderte 15 Jahre Haft wegen versuchten Mordes, schweren bandenmĂ€Ăigen Raubes und VerstöĂen gegen Waffengesetze. Die Verteidigung fordert die Freilassung Klettes, da es keine Beweise fĂŒr ihre Beteiligung an den ĂberfĂ€llen geben soll. Einzig der VerstoĂ gegen das Waffengesetz könne geahndet werden â mit einer BewĂ€hrungsstrafe. Das Urteil könnte sich aber verzögern, da die Verteidigung die Anhörung weiterer Zeugen beantragt hat. Die Aussagen sollen beweisen, dass das bei Klette gefundene Geld nicht aus den RaubzĂŒgen stammt.
Die Verteidigung will auch beweisen, dass Klettes Komplize Staub nichts mit den Straftaten zu tun hat. Die Staatsanwaltschaft hatte Bilder von Staub vorgelegt, die beweisen sollen, dass der Mann sich in Klettes Wohnung aufhielt und Autos kaufte, die bei den ĂberfĂ€llen benutzt wurden. Die Verteidigung will einen Bildvergleich mit alten Fotos, der zeigen soll, dass es sich bei dem Mann nicht um Staub handelt â niemand wisse, wie er jetzt aussieht.
Bei einem Ăberfall in Stuhr bei Bremen im Juni 2015 schossen drei Maskierte auf einen Geldtransporter, gelangten aber nicht ins Fahrzeug. Der Ăberfall wurde als versuchter Mord gewertet. Das Gericht stellte diese Bewertung im Laufe des Prozesses infrage. Der Richter teilte mit, dass die Tat wohl nicht in dieser Schwere bewertet wird. Das Urteil könnte, wenn das Gericht die neuen AntrĂ€ge der Verteidigung ablehnt, um 10.30 Uhr fallen.