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RAF Camora: Mit „Forever RR“ in den Sommerrausch

RAF Camora: Mit „Forever RR“ in den Sommerrausch

Auf dieses Nachfolge-Album wurde seit der Ankündigung hingefiebert. Mit „Forever RR“ liefert RAF Camora den Soundtrack für heiße Tage: Dubai-Vibes, große Features, Liebessongs und Luxus. Doch zwischen Sommerrausch und Selbstbewusstsein blitzt immer wieder Nachdenklichkeit auf – und die Frage was kommt als nächstes? Wir haben uns die Scheibe mal genauer angehört ...

Was war das für ein Jahr für Rap-Ikone RAF Camora? Nach seiner gesundheitlich bedingten Zwangspause und dem Hörsturz 2023 kehrte der österreichische Rapper 2025 nicht nur zurück, sondern machte genau dort weiter, wo er scheinbar nie aufgehört hatte: mit großen Gesten, starken Zahlen und einem Sound, der sofort nach ihm klingt. Ein Nummer-eins-Album, ein Releasekonzert samt RAF-Ausstellung, neue Singles im Zwei-Wochen-Takt und dann auch noch die Verlobung mit seiner langjährigen Freundin Nadine Krena vor einem Privatjet. Der österreichische Künstler inszeniert sein Leben längst nicht mehr nur als Karriere, sondern als Gesamtbild aus Musik, Mode, Reisen, Luxus und Familie.

Auch Dubai spielte in dieser Phase eine wichtige Rolle. Dort arbeitete er an neuen Werken, drehte Videos, sammelte Eindrücke und verfolgte seine Visionen. Als er zurück nach Österreich wollte, machte ihm die angespannte Sicherheitslage im Nahen Osten kurzzeitig einen Strich durch die Rechnung. Rechtzeitig kam er dennoch zurück, um bei den Amadeus Austrian Music Awards seinen mittlerweile elften Preis entgegenzunehmen und auf der Bühne mit einem Augenzwinkern Richtung Christina Stürmer zu witzeln. Genau diese Mischung aus Erfolg, Selbstbewusstsein und leichter Ironie zieht sich nun auch durch sein neues Werk „Forever RR“. 

Buttergelbe Visionen
Schon das Cover gibt die Richtung vor: Buttergelb, eine Farbe, die nach Sommer, Wärme und Leichtigkeit aussieht, darüber der schwarze Rabe mit Unterschriften der Fans als RAF-Symbol. Es ist ein schöner Kontrast. Einerseits dieses helle, fast sonnige Gefühl, andererseits bleibt immer auch etwas Dunkles und Unnahbares. Genau daraus lebt die Musik des mittlerweile 42-Jährigen seit Jahren: aus Melancholie und Größenwahn, aus Luxus und Leere, aus Clubsound und Nachdenklichkeit. 
Das Intro „Visions“ macht den roten Faden sofort klar. Camora blickt auf das, was er sich aufgebaut hat, aber nicht bloß im klassischen Rap-Sinne von „Ich hab’s geschafft“. Es geht um die beste Version seiner selbst. Wenn er rappt, dass er bei Tiffany einen Ring holt und den Schritt für diese bessere Version wagt, verbindet er Statussymbol und persönliche Entwicklung. Der Antrag wird nicht nur als romantischer Moment erzählt, sondern als Teil eines größeren Plans.

Mit „Goal“ kippt das Album direkt in diesen typischen RAF-Sommermodus: Trap, Dancehall, leichter Druck, eingängige Hook. Textlich geht es um Erfolg, Selbstbehauptung und das Gefühl, wieder getroffen zu haben. „Hol wieder ein Goal“ ist keine besonders versteckte Metapher, aber sie funktioniert. 
Auch „Mach Papier“ mit Dardan bewegt sich in diesem Kosmos. Geld, Autos, Erfolg, Unabhängigkeit. Dardan ergänzt den „Palmen aus Plastik“-Interpreten stimmlich gut, der Autotune fügt sich sauber in die Produktion ein, und der Song wirkt wie ein typischer Dubai-Track: glänzend, selbstbewusst und ein bisschen überlebensgroß. Dass im Video neben Luxus auch Camoras eigene Produkte auftauchen, passt ins Bild. Bei dem Unternehmer ist Musik längst auch Marke.

Mehr Tiefe bringt „Zeitpunkt“ mit Kontra K. Fast neun Jahre nach ihrer letzten Zusammenarbeit wirkt dieses Lied wie eine bewusst gesetzte Reunion. Kontra K hatte in Camoras Erfolgsgeschichte immer seinen Platz, und genau deshalb fühlt sich dieses Feature nicht beliebig an. „Zeitpunkt“ ist einer dieser Tracks, die man mehrfach hören kann, ohne dass sie an Wirkung verlieren. Das Video aus Kappadokien verstärkt die Atmosphäre: weite Landschaften, große Bilder, ein Song über Entscheidungen, Timing und das Leben zwischen Vergangenheit und Zukunft. Hier zeigt die Rap-Ikone wiedermal, dass er nicht nur Sommerhits liefern kann, sondern auch Songs, die hängen bleiben.

Liebe und Herzschmerz
International bleibt es mit „Desert Road“ featuring Triplego. Für treue RAF-Fans ist diese Zusammenarbeit kein Zufall: Triplego gehört zu jenen französischen Acts, deren Ästhetik gut zu seiner eigenen Welt passt. Das Duo aus Montreuil bringt einen Sound mit, der urban, melancholisch und atmosphärisch ist. Dadurch fügt sich der Song stimmig ins Album ein, ohne wie ein kalkuliertes Feature zu wirken.

Mit „Bomba“ in Zusammenarbeit mit dem türkischen Musiker Lvbel C5 kommt wiederum die leichtere, körperlichere Seite der Platte zum Vorschein. Eine schöne Frau, ein treibender Beat, ein weiterer internationaler Vibe – natürlich gibt es so einen Track auf einem RAF-Album. Nicht jeder Song muss tief graben. Manchmal reicht es, wenn er nach Sommernacht, Club und Festivalbühne klingt – aber man muss hier ehrlich sagen, wir haben solche Songs schon viel zu oft gehört.
Persönlicher wird es bei „Ohne Dich“. Der Song wirkt wie eine direkte Liebeserklärung an seine Verlobte Nadine Krena. Camora, der sonst oft zwischen Distanz und Kontrolle bleibt, zeigt hier eine weichere Seite. Gerade weil er solche Momente dosiert einsetzt, funktionieren sie. Es klingt nicht kitschig, sondern eher so, als würde er für einen kurzen Moment die Rüstung ablegen. 
„Only One“ mit Amo und Aymen geht ebenfalls in Richtung Liebe und Herzschmerz. Der Wahlberliner beweist hier einmal mehr sein Gespür dafür, mit welchen Künstlern er welchen Sound bauen muss. Er weiß, wann eine Kollabo Sinn ergibt, wann ein Name gerade funktioniert und wie man unterschiedliche Stimmen zu einem stimmigen Ganzen verbindet. Produziert ist auch dieser Song sehr sauber und modern. Menju, der bereits beim Vorgänger-Album „Forever“ eine wichtige Rolle spielte, bleibt ein hörbarer Teil dieser Klangwelt.

Durch die Jahreszeiten mit RAF
Der Fokustrack „Vivaldi“ gehört zu den spannendsten Momenten des Albums. Auf den ersten Blick ist es ein Liebessong, vielleicht auch die Verarbeitung einer alten Beziehung. Man hört genauer hin und fragt sich: Geht es um Krena? Um eine verflossene Liebe? Oder um eine künstlerische Metapher? Genau diese Unklarheit macht den Song interessant. Die Jahreszeiten-Bilder sind stark gesetzt: Frühling im Park, Sommer unter Palmen, Herbst mit fallenden Blättern und ein Winter, in dem das Herz wieder kalt wird. Der Titel ist dabei kein Zufall. Vivaldis „Vier Jahreszeiten“ gelten als eines der bekanntesten Werke der Programmmusik – Also, Musik, die Stimmungen und Szenen hörbar macht. RAF überträgt dieses Prinzip in seine eigene Welt: Liebe als Zyklus, Gefühle als Wetterlage, Erinnerung als Jahreszeit. 
Auf „Keine Anerkennung“ wird der Ton wieder härter. RAF rechnet mit Menschen ab, die nehmen wollen, ohne etwas zurückzugeben. Es geht um Neid, Gier, falsche Nähe und Leute, die sich an seinem Erfolg wärmen möchten. Besonders stark ist dabei die Haltung: Camora spielt nicht den Retter, nicht den großen Bruder für alle, die zu spät kommen. Er zieht Grenzen. Das klingt manchmal kalt, aber auch ehrlich. Wer sich über Jahre ein eigenes Imperium aufgebaut hat, muss irgendwann entscheiden, wer wirklich zur Squadra dazugehört.

Zum Schluss führt „Move“ mit Jorji das Album in eine fast abschließende Stimmung. Der Track ist langsamer, getragen von leichtem Bass und feinen Snares. Camora fragt sich, woher der Hunger noch kommt, obwohl längst alles anders ist als früher. Woher kommt der Druck, oben bleiben zu müssen? Warum fühlt sich Erfolg manchmal immer noch wie Überleben an? Gleichzeitig tauchen wieder die großen Bilder auf: Dubai, der Antrag vor dem Jet, die Tour, die Investitionen, der Wunsch nach der Welt. Wenn er davon spricht, dass nur noch ein letzter Move fehlt, bis er alles hat, was er will, klingt das nicht wie eine leere Rap-Zeile. Es klingt fast wie ein Ausblick. Vielleicht auch wie eine Andeutung. Camora ist bekannt dafür, aufzutauchen, alles zu dominieren und dann wieder zu verschwinden. „Move“ lässt zumindest die Frage offen, ob nach Hochzeit, Album und Tour wieder eine Pause kommen könnte.

Fazit: „Forever RR“ ist ein Werk zwischen altem RAF und neuem RAF. Dies kann man sowohl positiv als auch negativ nehmen. Es liefert Sommer, Luxus, internationale Features und eingängige Hooks, aber auch Momente der Reflexion. Die Songs wirken nicht zufällig zusammengewürfelt, sondern folgen einer Erzählung: Visionen, Erfolg, Liebe, Abrechnung, Zukunft. Camora zeigt sich als Künstler, der seinen eigenen Mythos weiter pflegt, ihn aber gleichzeitig persönlicher macht. 
Die Kollabos sind klug gewählt, die Produktionen sitzen, und auch für Hörer, die erst jetzt in RAFs Welt eintauchen, gibt es genug Einstiegspunkte. „Forever RR“ macht zwar gute Laune und klingt nach Sommer, stellt aber zugleich die Frage, wie lange RAF Camora diesen Zauber noch weiterstreuen möchte und kann. Denn er weiß vermutlich selbst – jeder Mythos lebt davon, dass man ihn nicht zu lange erklärt. Und genau deshalb bleibt am Ende dieses Albumgefühls ein Satz hängen: Vielleicht fehlt wirklich nur noch ein letzter Move ...

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