An Jürgen Klopp kommt während der WM keiner vorbei. Ich nicht einmal auf dem Weg zur Arbeit. Über fünf Etagen brüllt er von einem Wohnhaus in Berlin-Kreuzberg mit aufgerissenem Mund jeden Passanten an.
Solche Wandgemälde von King Klopp kennt man noch aus Liverpool. Damals aus tiefster Verehrung. Andere Zeit, andere Zeichen. Das Riesenplakat in Berlin ist nur eine banale Reklame für US-Bier.
Werbefigur Klopp hier, TV-Experte Klopp da. Für Magenta erfüllt er erfolgreich seine Pflicht, sorgt für quotenreiches Aufsehen wie mit dem Nagelsmann-Fauxpas („Julian Nagelsmann stellt die Mannschaft auf – noch“) und amüsiert im Doppelpack mit Thomas Müller das Publikum. Wie Rudi Völler treffend bemerkt: „Ihr seid für die Komik zuständig.“
Klopp: Trainer-Killer in Leipzig
Nicht ganz so lustig ist der dritte Job von Klopp – als Trainer-Killer in Leipzig.
Der „Global Head of Soccer“ des RB-Konzerns ließ Ole Werner, der alle Saisonziele erreicht hatte, gegen Martin Demichelis austauschen. Die Erklärung für den sinnfrei erscheinenden Wechsel konnte selbst der wortwitzige Klopp nicht sinnvoll erklären. Er sei ja auch nur „beratend“ tätig im Rauswurf-Business.
Aha! Warum macht Klopp seine Rolle plötzlich so klein? Der Hintergrund: Der Klub muss aufpassen, nicht mit der treudeutschen 50+1-Regel und dem UEFA-Recht zu kollidieren.
Das Champions-League-Reglement der Uefa verbietet, eine Doppelrolle oder einen entscheidenden Einfluss auf zwei oder mehr Vereine im gleichen Wettbewerb. Der Red-Bull-Konzern hat mit Leipzig und Salzburg Topvereine, auch wenn die Ösis 2026/27 nur in der Europa League mitspielen dürfen.
Und: Mit der umstrittenen Investorensperre 50+1 will die DFL verhindern, dass Anteilseigner gleich selbst Spieler oder Trainer holen. Doch ein bisschen beraten lassen darf man ja.
Darum muss Klopp jetzt vorsichtig sein
Tja. Auf „Kloppo“ waren viele Deutsche lange stolz. Zu Recht wurde er gefeiert als den Mann, der mehr für das deutsch-englische Verhältnis geleistet habe als jeder Nachkriegspolitiker.
Nun hat Harry Kane ihn auf der deutsch-englischen Helden-Position abgelöst. Bei uns in der Bundesliga ein Torgigant und gleichzeitig ein britisch bescheidener Sympathieträger.
Wer ihn als England-Power-Kapitän bei der WM erlebt, fragt sich: Was hat die angeblich leicht unterbelichtete Bundesliga für ein Glück, Kane zu haben.
Also: Falls Deutschland bei der WM rausfliegt, bin ich für Harry und England. Das sage ich auch Klopp persönlich – wenn ich wieder an seinem Plakat vorbeifahre …