Wirtschaft

„Was derzeit an Reformen angedacht ist, reicht bei Weitem nicht aus“

„Was derzeit an Reformen angedacht ist, reicht bei Weitem nicht aus“

Die „Wirtschaftsweise“ Veronika Grimm kritisiert den politischen Kurs der Bundesregierung. Man müsse feststellen, „dass das, was derzeit an Reformen angedacht ist, bei Weitem nicht ausreicht, um Deutschland wieder auf einen dynamischen Wachstumspfad zu bringen“, sagte sie im Interview mit WELT AM SONNTAG. Der entscheidende Hebel für nachhaltiges Wachstum müsse der technologische Fortschritt sein. „Und genau der wird bei uns systematisch ausgebremst“, sagte die Professorin der Technischen Universität Nürnberg.

Wenn Deutschland im Technologiewettbewerb mitspielen wolle, müsse es die Regulierung anpassen, forderte Grimm. Als Vorbild nannte sie Länder wie Dänemark und Schweden. Sie zeigten, „dass ein innovationsfreundlicheres regulatorisches Umfeld und ein flexibler Arbeitsmarkt die Anpassungsfähigkeit einer Volkswirtschaft deutlich erhöhen können“.

Statt einer solchen Deregulierung würden in Deutschland „immer wieder Reformen diskutiert, die den Wählern nicht so wehtun, aber auch wenig bewirken würden – was enorme politische und ministerielle Kapazitäten bindet“. Ein Beispiel sei die Einbeziehung von Beamten in die Sozialversicherungen: „Das klingt nach Reform, bringt aber nichts, weil die Ansprüche ja bestehen bleiben. Ähnlich ist es beim Ehegattensplitting – viel Aufwand, kaum Wachstumseffekt“, sagte Grimm. „Währenddessen wächst der geopolitische Druck, und Europas wirtschaftliche Schwäche nimmt zu.“

Dieser Artikel wurde für das Wirtschaftskompetenzzentrum von WELT und Business Insider erstellt.

Jacques Schuster ist Chefredakteur der WELT AM SONNTAG.

Daniel Zwick ist Wirtschaftsredakteur in Berlin und berichtet für WELT über Wirtschafts- und Energiepolitik, Digitalisierung und Staatsmodernisierung.

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