Wenn (all)mächtige Herrscher stürzen, geht es oft ganz schnell. In der Fifa scheint die Infantino-Dämmerung anzubrechen. Vor zwei Wochen stand Gianni Infantino (56) noch auf dem Höhepunkt seiner Karriere. Mit US-Präsident Donald Trump (80) übergab er Spanien den WM-Pokal, und verkündete 15 Milliarden Dollar Erlös durch das Turnier. Alles paletti für Gianni!
Doch sein geplanter Teilverkauf aller Fußball-Weltmeisterschaften (20 bis 30 Prozent u.a. an eine Gruppe von Trumps Schwiegersohn-Bruder Joshua Kushner) ist gescheitert. Der Vorschlag werde nicht weiterverfolgt, erklärte Infantino in einer in der Nacht veröffentlichten Stellungnahme. „Nachdem wir uns alle Standpunkte aufmerksam angehört haben, ist deutlich geworden, dass das Projekt zu Spaltungen geführt hat, die – unabhängig vom Ausmaß der Unterstützung – nicht mehr im Interesse des ursprünglich angestrebten Ziels liegen“, begründete der Fußball-Boss seine abrupte Kehrtwende.
▶ Am Mittwoch beschlossen die 55 Uefa-Länder einstimmig zu boykottieren, falls Infantino seinen Deal durchsetzt. Dann keine WM mit Europa! Uli Hoeneß (74) spottete: „Wenn Infantino Fidschi-Inseln gegen Kapverden haben will, dann kann er es haben.“
▶ Am Freitagmorgen verkündete die Fifa, an ihrem Plan festzuhalten. An dem Widerstand sei nur falsche Berichterstattung der Presse schuld. Kurz danach folgten zwei heftige Rückschläge für Infantino.
Nach Europa sowie Mittel- und Nordamerika verweigert auch Asien die Zustimmung. Der Vorwurf gegen Infantino (ohne ihn beim Namen zu nennen): die geheime Planung des Verkaufs. Die Asiaten fordern die Fifa auf, ihre Entscheidungsstrukturen zu überprüfen. Das Nein von drei Kontinentalverbänden bedeutet: Bei einer Abstimmung würden 136 von 211 Ländern dagegen stimmen. Das wäre das Aus für den Verkauf!
Kurz danach erklärte Fifa-Chefberater Carlos Cordeiro (70) seinen Rücktritt! Der frühere Banker in einer Erklärung: „Es ist ein schlechtes Geschäft für die Fifa-Mitgliedsverbände, ein schlechtes Geschäft für den Fußball und ein schlechtes Geschäft für die langfristige Zukunft des Sports.“ Vernichtender geht es nicht!
Fifa-Direktor attackiert Infantino
Am Abend meldete sich Fifa-Betriebsdirektor Kevin Lamour über AP mit einer Attacke auf Infantino: Die Mitarbeiter des Weltverbandes seien „getäuscht“ worden und hätten „etwas Besseres verdient als Verachtung und Einschüchterung“.
Lamour: „Es ist das Projekt einer einzigen Person. Dieses Projekt darf nicht nur nicht umgesetzt werden (…) Und wenn das bedeutet, dass ich meinen Job verliere, dann soll es so sein.“
Infantino steht auch wegen einer anderen Angelegenheit unter Druck: Er war während der WM in den USA, Kanada und Mexiko wegen einer auf Anruf von US-Präsident Donald Trump zurückgezogenen Sperre von US-Stürmer Folarin Balogun schwer in die Kritik geraten. Damit wurde ein Einsatz des Spielers im Achtelfinale ermöglicht – ein äußerst ungewöhnliches Vorgehen. Nach Darstellung der Fifa wurde die umstrittene Entscheidung von der formal unabhängigen Disziplinarkommission getroffen.
Stürzt Infantino über sein Scheitern? Am 18. März 2027 wählt die Fifa. Für Gianni Infantino wäre es die dritte und nach den Regeln letzte Amtszeit (bis 2031). Danach wollte er Chef der Fifa-WM-Firma werden und so die Hoheit über die WM behalten. Doch nach dem verlorenen Macht- und Milliardenkampf könnte nun der Infantino-Dämmerung bald der Infantino-Untergang folgen.