Nach dem Startabbruch in buchstäblich letzter Sekunde vor acht Tagen ist Elon Musk jetzt ein Flug seiner weltgrößten Rakete Starship größtenteils gelungen. Die Riesenrakete hob diesmal um 17.50 Uhr Ortszeit reibungslos zum 13. Flug vom Startplatz an der Atlantik-Ostküste in Texas ab. Sie transportierte mit 20 Starlink-Internet-Satelliten erstmals eine Nutzlast in den Weltraum. Ein zunächst geplanter Start am Vortag musste aufgrund des schlechten Wetters abgesagt werden.
Techniker von Elon Musks Raumfahrtkonzern SpaceX hatten vor dem Neustart zwei der insgesamt 33 Triebwerke der Antriebsstufe ausgetauscht. Dies war notwendig, weil beim vorherigen Startversuch vier Triebwerke wegen Problemen mit den Sauerstoff-Pumpen nicht wie geplant zündeten. Der Start der 122 Meter hohen Rakete, die mit über 5000 Tonnen Treibstoff beladen war, war deshalb computergesteuert in Millisekunden abgebrochen worden.
Die extrem hohe Anzahl von Triebwerken in der Antriebsstufe und ihre Zuverlässigkeit sind offensichtlich noch ein Schwachpunkt der Starship-Entwicklung. Nur die gewaltige Ex-Mondrakete N1 der Sowjetunion hatte mit 30 Triebwerken eine annähernd so hohe Triebwerksanzahl. Doch alle vier Testflüge zwischen 1969 und 1972 endeten in Fehlschlägen und Explosionen.
Triebwerke versagen bei Abbremsmanöver
Nach dem Ausfall von vier Triebwerken beim letzten Starship-Startversuch sowie Problemen mit fünf Triebwerken bei der vorangegangenen 12. Mission im Mai 2026 gibt es nach wie vor Zuverlässigkeitsprobleme mit der neuen Triebwerksgeneration Raptor 3.
Beim Flug versagten diesmal einige Triebwerke beim Abbremsmanöver der Antriebsstufe vor der Wasserung vor der Küste von Texas. Es zündeten nur etwa fünf statt der 13 für das Landemanöver vorgesehenen Triebwerke. Die Aufprallgeschwindigkeit der Antriebsstufe auf dem Wasser sei höher als geplant gewesen, räumte ein SpaceX-Sprecher ein.
Im Mittelpunkt der jüngsten gut einstündigen Starship-Mission stand der erfolgreiche Transport einer Nutzlast in den Weltraum. Ausgesetzt wurden 20 Internet-Satelliten der neuen, besonders leistungsfähigen Starlink-Generation V3. Daneben gab es zahlreiche weitere Verbesserungen an der Rakete und bei den Flugmanövern. Die gesamte Mission wurde komplett in beeindruckenden Bildern live im Internet übertragen.
Nach wie vor hat die weltgrößte Rakete wichtige Meilensteine nicht erreicht. Dazu zählen etwa eine komplette Erdumkreisung sowie das Betanken im All und die vollständige Wiederverwendbarkeit der beiden Raketenstufen mit dem Auffangen am Startturm. Auch beim jüngsten Flug landete die Antriebsstufe im Golf von Mexiko. Erstmals landete die Starship-Oberstufe dabei aber intakt im Meer und schwamm auf der Oberfläche. Mit der geplanten vollständigen Wiederverwendbarkeit der Rakete sollen die Startkosten drastisch sinken.
Der Rückflug zum Startturm und das Auffangen beider Stufen mit den als „Mechazilla“ bezeichneten stählernen Auffangarmen sind voraussichtlich erst mit der übernächsten Mission geplant. Dazu müssen aber die Zuverlässigkeitsprobleme mit den Triebwerken gelöst werden. Der letzte erfolgreiche Catch einer Starship-Antriebsstufe am Startturm gelang am 16. Januar 2025, während der 7. Mission. Die jüngsten Testflüge hatten andere Prioritäten.
Aktienkurs zuletzt unter Ausgabepreis
Seit dem Mega-Börsengang von SpaceX Mitte Juni verfolgt jetzt auch die Finanzbranche die Starship-Missionen sehr aufmerksam. Misserfolge setzen den Aktienkurs unmittelbar unter Druck. So verlor die Aktie durch den jüngsten Startabbruch drei bis vier Prozent an Wert. Der Kurs schwankt ohnehin seit dem Börsendebüt sehr stark. Bei einem Ausgabepreis von 135 Dollar stieg der Kurs kurzzeitig auf bis zu 225 Dollar. Er fiel in jüngster Zeit aber deutlich unter den Ausgabekurs – auf zuletzt rund 113 Dollar. Gegenüber dem Allzeithoch ein Kursverlust von rund 50 Prozent.
SpaceX hat nach Angaben im Börsenprospekt bereits 15 Milliarden Dollar in die Entwicklung der Starship-Rakete investiert, deren Leistung schrittweise verbessert wird. So war der jüngste Flug der zweite Start der dritten Starship-Generation. Die Rakete ist das Schlüsselprodukt für die weitere SpaceX-Entwicklung und soll bemannte Flüge zum Mond im Artemis-Programm oder zum Mars ermöglichen.
Mit ihrer gewaltigen Nutzlastkapazität von zunächst 100 Tonnen und in einer weiteren Entwicklungsstufe von bis zu 200 Tonnen soll die Starship-Rakete auch den Ausbau des Internet-Satellitennetzes Starlink von SpaceX beschleunigen. Künftig sind Starship-Starts mit 60 Starlink-Satelliten geplant, was eine über 20-fach höhere Netzwerk-Kapazität als bei den aktuellen Starts mit der Falcon-9-Rakete (ebenfalls von SpaceX) bedeuten würde, bei denen meist zwei Dutzend Starlink-Satelliten transportiert werden.
Langfristig hat SpaceX extrem ambitionierte Pläne. Im Januar hat der Raumfahrtkonzern von Elon Musk eine Genehmigung für bis zu einer Million Satelliten in niedriger Erdumlaufbahn beantragt. Diese sollen als orbitale Rechenzentren für Künstliche Intelligenz dienen. Das Starlink-Internet-Satellitennetz soll auf bis zu 100.000 V3-Starlink-Satelliten ausgebaut werden. Diese Größenordnungen erscheinen derzeit als unrealistisch, wenn man bedenkt, dass die aktuelle Starlink-Megakonstellation, das größte derartige Netzwerk aller Zeiten, schon etwa 10.800 Satelliten umfasst.
Das Starlink-V3-Projekt würde Tausende von Raketenstarts erfordern. Das wäre mit den Kapazitäten der Falcon-9-Rakete, dem aktuellen Arbeitspferd unter den SpaceX-Raketen, mit insgesamt 165 Starts 2025, nicht zu schaffen. Die V3-Satelliten sind mit rund zwei Tonnen Gewicht auch deutlich schwerer als ihre Vorgänger.
Dieser Artikel wurde für das Wirtschaftskompetenzcenter von WELT und „Business Insider Deutschland“ erstellt.
Gerhard Hegmann ist freier Wirtschaftsredakteur und berichtet seit Jahrzehnten insbesondere über die Rüstungs- und Raumfahrtindustrie.