Kultur

Nijinsky-Gala mit John Neumeier in der ersten Reihe

Nijinsky-Gala mit John Neumeier in der ersten Reihe

Zum Abschluss der 51. „Nijinsky-Gala“ regnete traditionell Konfetti auf das Hamburg Ballett und seine Gäste auf der Bühne der Staatsoper hinab – in ihrem Verlauf hagelte es Beförderungen. Gleich vier neuen Ersten Solistinnen und Solisten gratulierte der Künstlerische Ballettdirektor Llyod Riggins auf der Bühne, drei davon aus den eigenen Reihen. Sowohl Olivia Betteridge, die jüngst bei der Uraufführung des Balletts „Wunderland“ von Alexei Ratmansky in der Hauptrolle der Alice überzeugte, als auch Charlotte Larzelere, im „Wunderland“ jüngst als Weiße Königin und Haselmaus unterwegs, machten den Schritt nach oben aus dem Kreis der Solistinnen heraus. Louis Musin, Solist seit 2023, wurde ebenfalls zum Ersten Solisten ernannt. Neu als Erster Solist beim Hamburg Ballett ist zudem Callum Linnane, der vom Australian Ballet in die Hansestadt wechselt.

Neumeier-Repertoire als „lebendiges Erbe“

Damit gibt es in der kommenden Saison wieder jeweils fünf Erste Solistinnen und Solisten und das Hamburg Ballett ist für neue Aufgaben bestens gewappnet. Ohnehin moderierte Riggins – lediglich mit der deutschen Sprache leicht hadernd – den fünfeinhalbstündigen Abend zum Abschluss der Balletttage und der Saison optimistisch und zuversichtlich. Der einstige Tänzer und Stellvertreter John Neumeiers betonte mehrfach, welchen Schatz das Neumeier-Repertoire als „lebendiges Erbe“ für Hamburg bedeutet. Riggins dankte auch Neumeier persönlich, der in der ersten Reihe des Saales saß und vom Publikum zu Beginn des prächtigen Abends mit einem Sonderapplaus begrüßt worden war.

Der Künstlerische Ballettdirektor hatte gut zu tun, denn er sagte jede einzelne der 16 Aufführungen an und ordnete die Tanzbeiträge in ihren ballettgeschichtlichen Kontext ein. Dabei blieb er frohgemut und schlagfertig, als er zum Beispiel einem Zuschauer „Gesundheit“ wünschte, der in eine Ansage hinein niesste. Ein älterer Zuschauer wiederum, der wiederholt lautstark forderte, man möge doch bitte das Radio abdrehen, war hingegen offenbar der Einzige, der dieses Radio hören konnte. Begleitet wurden die Ballettaufführungen überwiegend live vom Philharmonischen Staatsorchester, das unter Leitung von Simon Hewett trotz toller Solisten zu wünschen übrig ließ. Sowohl zu Anfang als auch am Ende des Abends stieß der Klangkörper an seine künstlerischen Grenzen.

Silvia Azzoni, Alina Cojocaru und Alexandre Riabko

Das Hamburg Ballett, an der Spitze Sonderdarstellerin Silvia Azzoni und Gastsolistin Alina Cojocaru, zeigte im Reigen durch die Ballettgeschichte hingegen nicht die geringste Schwäche. Sieben der 16 Programmpunkte waren Choreografien von John Neumeier. So stand ein Auszug aus „Äther“ am Beginn, ein Auszug aus „Shall We Dance“ am Ende der Nijinsky-Gala. Zwischendrin sorgte Neumeiers „Opus 100 – For Maurice“, getanzt von Sonderdarsteller Alexandre Riabko und Marijn Rademaker (Gast von WINN Dance) für einen der Höhepunkte. Das Bundesjugendballett zeigte im Gedenken an den am 7. Mai verstorbenen Günter Jena, den langjährigen Kirchenmusikdirektor von St. Michaelis, Ausschnitte aus der „Matthäus-Passion“, bei deren Entstehung Jena eng mit John Neumeier zusammengearbeitet hat.

Neben Neumeier-Choreografien gab es sowohl historische Gemmen als auch zeitgenössische Arbeiten. Zu den Klassikern zählten neben zwei Werken von Martha Graham unter anderem die „Tarantella“ von George Balanchine oder der Pas de Trois aus „La Ventana“ von August Bournonville, den Lloyd Riggins mit Futabe Ishizaki, Charlotte Kragh und Francesco Cortese einstudiert hatte.

Unter den jüngsten Kreationen der internationalen Ballettwelt waren ein Pas de Deux aus dem Stück „From in + & Plus“ von Xie Xin, den die Künstlerin und Compagnie-Gründerin gemeinsam mit Liu Xue auf die Bühne brachte sowie „And So Am I“ von Nashama Nashman, in Hamburg getanzt von Silvia Azzoni und der langjährigen Solistin Emilie Mazon, die das Hamburg Ballett mit Ende der Spielzeit verlässt, um sich verstärkt ihrer tanzpädagogischen Arbeit zu widmen.

Die kommende Ballettsaison beginnt am Sonntag, dem 13. September, mit der Wiederaufnahme der Choreografie „A Cinderella Story“ von John Neumeier nach der Musik von Sergej Prokofjew im Bühnenbild und den Kostümen von Jürgen Rose.

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