München – Millionen Fans wollten den nächsten großen Fußballabend. Trikot an, Bier kalt, Grill bereit. Doch nach 120 Minuten und dem bitteren Elfmeterschießen war alles vorbei. Deutschland ist raus. Und mit dem WM-Traum endet auch ein Geschäft, auf das viele Händler gehofft hatten.
In Bayern zeigt sich schon, wie teuer das WM-Aus wird. Der Handelsverband Bayern hatte im Freistaat mit bis zu 400 Millionen Euro WM-Umsatz gerechnet. Nach der Pleite gegen Paraguay geht der Verband nur noch von etwa 300 Millionen Euro aus. Den Händlern könnten damit rund 100 Millionen Euro entgehen.
Verpasste Chance für die Händler
Verbandssprecher Bernd Ohlmann sagt: „Es war ohnehin nicht so, dass wir einen großen Boom gehabt hätten.“ Viele Sporthändler hätten schon vor der WM weniger Trikots bestellt. Ein Sieg gegen Paraguay hätte das Geschäft noch einmal ankurbeln können. Dann wäre Deutschland im Achtelfinale auf Frankreich oder Schweden getroffen. Die Nachfrage nach Fanartikeln und Produkten rund um den nächsten Spielabend wäre wohl gestiegen. Ohlmann sagt: „Dann wären die Karten neu gemischt worden.“
Viele Händler planten vorsichtig
Auch bundesweit war die WM für den Handel kein Selbstläufer. Der Handelsverband Deutschland rechnete vor dem Turnier nicht mit einem großen Konsumrausch, sondern eher mit kleineren Zusatzgeschäften. Etwa jeder vierte Händler hatte Waren mit WM-Bezug im Sortiment. Vor allem Sporthändler und Lebensmittelhändler hofften auf zusätzliche Käufer.
Auch die Gastronomie sollte von der WM profitieren. Das Institut der deutschen Wirtschaft rechnete vor dem Turnier allein dort mit 67,4 Millionen Euro zusätzlichem Umsatz. Bei besseren Anstoßzeiten wären es fast 103 Millionen Euro gewesen. Doch viele Spiele liefen wegen der Zeitverschiebung spät am Abend oder nachts. Das bremste Kneipen, Public Viewing und private Fußballabende.
Der wichtigste Verkaufsanlass ist weg: das nächste Deutschland-Spiel. Kein mögliches Achtelfinale gegen Frankreich, keine neue Fan-Euphorie, weniger Spontankäufe vor dem Fernsehabend. Für die Fans ist es ein bitteres WM‑Aus. Für viele Händler endet damit auch die Hoffnung auf den späten Turnier-Schub.