Brierfield (England) – Wieder ein Messerangriff. Wieder ein junges Opfer! In Großbritannien wächst das Entsetzen über Gewaltverbrechen, die viele Bürger längst nicht mehr als Einzelfälle wahrnehmen. Am Freitag wurde eine 17-Jährige in der nordenglischen Kleinstadt Brierfield Opfer einer brutalen Attacke. Auf einem Video ist zu sehen, wie ein Mann mit Migrationshintergrund auf die Jugendliche zurennt und mehrfach auf ihren Hals einsticht.
Das Mädchen kann sich schwer verletzt losreißen und flüchten. Es überlebt nur knapp. Wenig später nimmt die Polizei den mutmaßlichen Täter fest: einen 30-jährigen Briten pakistanischer Herkunft.
Für viele Briten ist die Tat nur das jüngste Glied in einer Kette schockierender Gewaltverbrechen, die das Land seit Monaten erschüttern.
Fall Henry Nowak erschüttert das Land
Besonders tief ist das Entsetzen über den Tod des Studenten Henry Nowak (18) in Southampton. Der junge Mann wurde Ende vergangenen Jahres von dem Sikh Vickrum Digwa (23) mit einem Zeremonienschwert tödlich verletzt. Doch erst jetzt, beim Urteil im Mordprozess, wurde bekannt, was sich in den Minuten nach der Tat abgespielt hatte.
Während Nowak schwer verletzt auf der Straße lag und um sein Leben kämpfte, behauptete Digwa gegenüber den eintreffenden Polizisten, er sei Opfer eines rassistischen Angriffs geworden. Die Folge: Die Beamten hielten zunächst den sterbenden Nowak für den Täter. Verhöhnten ihn sogar.
Nach Gerichtsangaben wurde der 18-Jährige mit Handschellen gefesselt, obwohl er immer wieder sagte, dass er niedergestochen worden sei und keine Luft bekomme. Erst später erkannten die Polizisten, dass nicht Nowak der Angreifer, sondern das Opfer war. Noch schlimmer: Die Polizei versuchte laut der britischen Zeitung „Guardian“ während des Prozesses aktiv zu verhindern, dass der Fall öffentlich breit diskutiert wurde. Unfassbar: Auch nach dem Prozess warnte die Polizei die Bevölkerung, den Fall in sozialen Medien zu kommentieren, so hieß es in der landesweiten TV-Sendung „Good Morning Britain“.
Die Enthüllungen sorgen im ganzen Land für Entsetzen. Viele Briten fragen sich, wie es möglich sein konnte, dass ein sterbender, völlig unschuldiger Student zunächst als Täter behandelt wurde. Die Tat löst Wut und Proteste aus – viele werfen der englischen Polizei „umgekehrten Rassismus“ vor.
Digwa wurde mittlerweile wegen des Mordes zu 21 Jahren Haft verurteilt.
Die Stimmung in England kocht. Aktivisten wie Tommy Robinson (43), der die Migrationspolitik hart kritisiert, mobilisieren inzwischen Zehntausende für Demos. Deren Slogan: „White lives matter“ („Weiße Leben zählen“). Robinson wurde am Samstag am Flughafen London Heathrow festgenommen – die genauen Hintergründe dazu sind unklar. Von offizieller Seite heißt es nur, die Festnahme erfolgte gemäß der Anti-Terror-Gesetze. Robinsons Handys wurden beschlagnahmt.
Auch Nordirland von brutaler Gewalt erschüttert
Für Schlagzeilen sorgte zuletzt auch ein Fall in Nordirland: Dort hatte ein Sudanese in Belfast versucht, einen Engländer auf offener Straße zu köpfen. Auch diese Tat löste in vielen Städten Angst, Entsetzen und heftige Debatten über Migration, Integration und innere Sicherheit aus. Das Opfer überlebte, verlor aber sein linkes Auge und soll laut einigen Berichten durch Verletzungen jetzt auch auf dem rechten Auge erblindet sein.
Gefühl der Ohnmacht wächst
In zahlreichen Städten wächst inzwischen das Gefühl, dass die Gewalt außer Kontrolle gerät. Viele Bürger beklagen, dass Probleme zu lange beschönigt oder ignoriert worden seien. Nach Messerangriffen und Morden fragen sich immer mehr Briten: Nehmen Politik und Behörden ihre Sorge um die Sicherheit ernst?
Nach der Attacke auf die 17-Jährige in Brierfield gingen wieder Menschen auf die Straße. In Liverpool forderten Demonstranten strengere Grenzkontrollen und konsequentere Abschiebungen ausländischer Straftäter. Auch in Southampton kam es zu Protesten.
Bei vielen Briten bleibt ein Gefühl zurück, das sich nach jedem neuen Gewaltverbrechen verstärkt: die Sorge, dass ihr Land ein Sicherheitsproblem hat, das Politik und Behörden nicht in den Griff bekommen.