London – Politisches Erdbeben in Großbritannien! Bei der Nachwahl im nordenglischen Wahlkreis Makerfield hat Andy Burnham (56), Rivale von Premierminister Keir Starmer (63), einen Sieg eingefahren. Mit knapp 55 Prozent der Stimmen ließ der Labour-Politiker seinen schärfsten Gegner Robert Kenyon (41) von Reform UK deutlich hinter sich – und zieht nun ins britische Unterhaus ein.
Schon vor der Wahl hatte Burnham angekündigt, im Erfolgsfall Labour-Chef und Premier Starmer herausfordern zu wollen. Mit dem Einzug ins Parlament erfüllt er nun die wichtigste Voraussetzung für einen Angriff auf die Parteispitze.
In seiner Siegesrede machte Burnham sofort Druck. Sein Erfolg sei „eine letzte Chance auf Veränderung“ für die Labour-Partei. „Wir müssen darauf hören, wir müssen entsprechend handeln, und wir müssen es richtig machen“, sagte der 56-Jährige.
Andy Burnham wird immer beliebter
Burnham gilt als einer der populärsten Politiker des Landes – und als Gegenentwurf zu Starmer. Während der Premier durch Affären und eine schmerzhafte Niederlage bei den Kommunalwahlen im Mai geschwächt wurde, steigen die Aktien des Bürgermeisters von Manchester. Seine Umfragewerte sind stark, viele Beobachter sehen ihn bereits als möglichen Nachfolger in Partei und Regierung.
Der Labour-Politiker hat sich in Manchester einen Namen gemacht. Für die 2,8 Millionen Einwohner der Region trieb er den Ausbau des Nahverkehrs voran. Zudem setzt er auf mehr Wohnungsbau und eine bessere Gesundheitsversorgung.
Durch Zufall ins Amt
Dass Burnham überhaupt kandidieren konnte, verdankt er dem Rücktritt des bisherigen Labour-Abgeordneten Josh Simons (32). Dadurch wurde die Nachwahl in Makerfield notwendig.
Nun könnte es für Starmer richtig ungemütlich werden. Beobachter trauen Burnham zu, die Unterstützung der erforderlichen 81 Labour-Abgeordneten für eine Führungsherausforderung zu gewinnen. Es wäre bereits sein dritter Anlauf auf den Parteivorsitz. Nachdem er 2010 und 2015 gescheitert war, gilt er diesmal als Favorit.
Burnham bringt reichlich Regierungserfahrung mit: Seit seinem ersten Einzug ins Unterhaus im Jahr 2001 war er unter Blair und Brown unter anderem Kultur- und Gesundheitsminister. Jetzt könnte sein bislang größter Karriereschritt bevorstehen – der Griff nach der Macht in Downing Street.