Ellwangen – Jetzt ist der Krisenfall offiziell! Der angeschlagene Batteriehersteller Varta hat nach Informationen aus Finanzkreisen einen Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung gestellt. Erst wenige Tage zuvor war bekannt geworden, dass dem Traditionsunternehmen aus Ellwangen sogar die Zerschlagung droht: Wichtige Geldgeber wollen das Geschäft mit Haushaltsbatterien aus dem Konzern herauslösen.
Das Amtsgericht Stuttgart bestätigte am Freitag den Eingang von vier Insolvenzanträgen des Unternehmens. Diese würden nun von der zuständigen Richterin geprüft, heißt es. Grund für die Insolvenz ist laut Reuters, dass kein frisches Geld mehr floss. Die bisherigen Eigentümer – Sportwagenbauer Porsche und der österreichische Unternehmer Michael Tojner – wollten offenbar kein weiteres Geld mehr nachschießen.
So soll Varta aufgeteilt werden
Damit rückt die Zerschlagung von Varta immer näher. Die wichtigsten Gläubiger, darunter die Deutsche Bank und mehrere Hedgefonds, wollen nach Reuters-Informationen das profitable Geschäft mit Haushaltsbatterien übernehmen. Tojner hat demnach Interesse an der Sparte für Mikrobatterien angemeldet – darunter Knopfzellen für Hörgeräte.
Der lange Weg in die Krise
Für Varta ist die Insolvenz der vorläufige Tiefpunkt der 139-jährigen Unternehmensgeschichte. Mit Batterien für Fernbedienungen, Taschenlampen und Spielzeug wurde die Marke zum festen Bestandteil deutscher Haushalte. Nach einer ersten Zerschlagung Anfang der 2000er gelang dem Traditionsunternehmen mit winzigen Knopfzellen-Batterien für kabellose Kopfhörer (wie Apple AirPods) das Comeback.
Vom Börsenstar zum Insolvenzfall
2017 kehrte Varta an die Börse zurück und setzte 2021 mehr als 900 Millionen Euro um. Doch die starke Abhängigkeit von Apple wurde dem Konzern zum Verhängnis. Die Bestellungen gingen zurück, asiatische Konkurrenten holten auf und 2022 brach der Umsatz mit den Knopfzellen um 47 Prozent ein. 2024 stiegen Porsche und Investor Michael Tojner im Zuge einer Sanierung ein, die bisherigen Aktionäre gingen leer aus und Varta verschwand von der Börse. Jetzt droht dem 1887 gegründeten Traditionsunternehmen die zweite Zerschlagung seiner Geschichte.