Sanaa – Schon wieder eine Seeblockade! Dadurch gibt es Behinderungen nicht nur auf der Straße von Hormus, sondern auch auf der Ausweichroute durch das sogenannte Tor der Tränen (Bab al-Mandab) am Ausgang des Roten Meeres. Die vom Iran unterstützte Huthi-Miliz hatte die Seeblockade gegen Saudi-Arabien ausgerufen. Sie sei die Antwort auf den Angriff auf den Flughafen von Jemens Hauptstadt Sanaa, erklärte Militärsprecher Yahya Saree (56).
Die neue Blockade verschärft den gerade wieder aufgeflammten Krieg im Jemen zwischen Huthis und der von Saudi-Arabien unterstützten Regierung. Und sie hat Konsequenzen für die durch den Iran-Krieg ausgelöste globale Ölkrise. Jetzt kehrte mindestens ein Super-Öltanker auch im Roten Meer wegen der Huthi-Drohungen um, weitere Schiffe änderten die Route. Die „VLCC Xin Long Yang“ wollte die Route auf dem Weg nach China nehmen, steuert jetzt offenbar auf den Suezkanal zu.
Saudi-Arabien könnte empfindlich getroffen werden
Für Saudi-Arabien und die globale Öl-Versorgung kommt die Drohung nach Einschätzung des Seehandelsexperten Arsenio Longo (35) zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt: „Wegen der Krise in Hormus läuft derzeit ein großer Teil der saudischen Öl-Exporte über Yanbu am Roten Meer. Nun wird genau diese Ausweichroute bedroht“, so Longo zu BILD. Eine vollständige Blockade könnten die Huthis zwar nicht durchsetzen. „Raketen, Drohnen und einzelne Angriffe reichen aber aus, damit Versicherer die Preise erhöhen und Reeder Fahrten verschieben.“ Die Folge könnten „noch höhere Transportkosten, Verzögerungen und zusätzlicher Druck auf den Ölpreis sein“.
Die Huthis kontrollieren Nadelöhr
Eine versuchte Blockade der Huthis könnte eine Reduktion der Öl-Exporte aus dem Nahen Osten um weitere 2,5 Millionen Barrel pro Tag bedeuten, rechnet US-Ölmanager Andrew Lipow vor. Und sollten die Terror-Milizen auch die Verladeterminals in Yanbu ins Visier nehmen, „sind sogar 4,5 Millionen Barrel an Saudi-Exporten gefährdet“, so Lipow zu BILD. Er rechnet hier mit einem Anstieg des Ölpreises um etwa zehn Dollar pro Barrel (aktuell etwa 80 Dollar)!
US-Experte Ben Cahill ist ebenfalls besorgt: „Die Drohung der Huthis ist eine ernsthafte Eskalation“, sagt er zu BILD: „Tanker-Besitzer und Besatzungen scheinen bereits zunehmend davor zurückzuschrecken, die Meerenge Bab al-Mandab zu durchqueren!“
Bereits Ende 2023 zeigten die Huthis, welche Macht ihnen die Kontrolle über die Meerenge verleiht. Diese verbindet das Rote Meer mit dem Golf von Aden und zählt zu den wichtigsten Schifffahrtsrouten der Welt. Mit mehr als 100 Angriffen auf Handelsschiffe störten die Huthis den Welthandel massiv. Jetzt könnte die Lage weit brisanter werden.